Gegen Armut und soziale Ausgrenzung
Wetteraukreis (pd). Unter dem Motto „Starke Wetterau – Für Teilhabe und soziale Gerechtigkeit“ laden der Wetteraukreis und die Kreisgruppe Wetterau des Paritätischen für Montag, 25. Oktober, zu einer Info ins Friedberger Kreishaus ein.
Kreis-Anzeiger 30.10.2010
„Gut, dass Thema in die Öffentlichkeit kommt“
Verstärkt sexualisierte Gewalt unter Einfluss von K.O.Tropfen – Brigitta Nell-Düvel besucht Frauennotruf
Nidda (pd). Brigitta Nell-Düvel, die frauenpolitische Sprecherin der Wetterauer Grünen, besuchte den Frauennotruf in Nidda. Die Mitarbeiterinnen sind Ansprechpartner für Frauen, die vom Partner, Freund oder Ehemann bedroht, geschlagen oder vergewaltigt wurden. Sie beraten nach Gewalterfahrungen, unterstützen Frauen bei der ärztlichen Untersuchung und der Beweiserhebung bei der Polizei, sie vermitteln Betroffene falls notwendig in ein Frauenhaus und unterstützen auch bei der Suche nach einer Therapeutin.
In jüngster Zeit wenden sich verstärkt Frauen an den Frauennotruf, die unter dem Einfluss sogenannter K.O.-Tropfen Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind. Selbst im Deutschen Ärzteblatt wurden die Ärzte auf diese Problemlage hingewiesen, zumal im aktuellen Drogenbericht der Vereinten Nationen die illegale Anwendung solcher Tropfen als eines der größten Probleme der Drogenszene bezeichnet wurde.
Unter dem Begriff K.O.-Tropfen werden verschiedene Substanzen zusammengefasst, die Personen unbemerkt verabreicht werden, um sie in einen wehrlosen Zustand zu versetzen. Dies geschieht oft in der Party- und Kneipenszene, auf öffentlichen Festen, aber auch auf privaten Feiern und Treffen. K.O.-Tropfen sind in der Regel geruchs- und farblos und haben nur einen leichten bitteren, salzigen oder seifigen Beigeschmack, der in alkoholischen oder Mixgetränken kaum wahrnehmbar ist.
Fehlende Erinnerungen an die Tat und den Tathergang sind ein großes Problem, wenn Mädchen oder Frauen unter der Wirkung dieser Substanzen vergewaltigt wurden. Sie wachen an Orten auf, die sie nicht kennen oder wissen nicht, wie sie dorthin gelangt sind und was in den vergangenen Stunden vorgefallen ist. Das Scham- und Schuldgefühl der Betroffenen ist massiv; viele glauben den erlebten „Filmriss“ selbst verursacht zu haben. Oft ist den Opfern gar nicht bewusst, dass ihnen gegen ihren Willen Drogen verabreicht wurden. Sie fürchten, von der Umgebung wegen ihrer „Naivität“ verurteilt zu werden.
Der Frauennotruf in Nidda schlisst sich einer hessenweiten Kampagne an, um über sexuelle Gewalt im Zusammenhang mit K.O.-Tropfen in der gesamten Wetterau zu informieren. Dazu wurde der Flyer „Filmriss – Die Folgen von K.O.-Tropfen und Alkohol“ gestaltet. In ihm werden Hilfestellungen nach einer solchen Tat, aber auch Vorsichtsmaßnahmen, die das unbewusste Einnehmen von sedierenden Substanzen verhindern sollen, leicht verständlich dargestellt.
„Wir Grünen unterstützen ohne Einschränkung diese Aktivität des Frauennotrufes. Es ist gut, dass dieses Thema in die Öffentlichkeit kommt und als gesellschaftliches Problem - nicht ein individuelles von Frauen - erkannt wird“, erklärte Brigitta Nell-Düvel. Alle gesellschaftlichen Akteure, Institutionen, auch die Politik und Gastronomie müssten ein Interesse daran haben, den heimlichen Einsatz von K.O.-Tropfen als kriminelle Handlung zu verhindern.
Kreis-Anzeiger
„Fünf Minuten nach zehn Uhr ist schon zu spät“
Begehrte Schnäppchen beim Basar des Inner Wheel-Clubs
Nidda (ih). Dass die Damen der Service-Organisation an jedem Martinimarkt im kleinen Saal des Niddaer Bürgerhauses ihren Kleider-Basar abhalten, hat sich mittlerweile auch über die Region hinaus herumgesprochen. „Mittlerweile haben wir sogar Stammkundinnen, die jedes Jahr wiederkommen“, freut sich die amtierende Clubpräsidentin des Inner Wheel-Clubs Bad Orb-Büdingen-Nidda, Monica Monico-Demandt, und macht mit einer Dame aus Maintal den Handel perfekt: Für 20 Euro wechseln drei Kleidungsstücke den Besitzer.
Pullis, Shirts und Tops, Röcke ab fünf Euro, Hosen ab vier Euro, Mäntel, Kleider, Kostüme ab 13 und Hosenanzüge ab 15 Euro, Abendgarderobe und Herrenkleidung, Accessoires, Schals, Mützen und Hüte, in besten Materialien von Leinen, Seide, Kaschmir, Baum- und Schafwolle, gesammelt und zusammengetragen aus insgesamt 50 Kleiderschränken, sind heiß begehrt.
Pelzmäntel und Lederjacken waren auch im Angebot, aber innerhalb weniger Minuten vergriffen: „Fünf Minuten nach zehn Uhr ist schon zu spät“, lacht die Clubpräsidentin. Auch bei den Flohmarktartikeln schauen sich die Besucher gerne um. Oder sie kosten eine der leckeren Suppen nach traditionellen Rezepten, wie die fruchtig-scharfe Kürbissuppe oder die herzhafte Hackfleischsuppe. Die Verkaufserlöse dienen immer einem guten Zweck. In diesem Jahr sind sie für den Frauennotruf Nidda, die Musikschule Büdingen und das Diakonische Werk bestimmt. 21 Clubmitglieder sind über die zwei Markttage Sonntag und Montag im Einsatz und leben so aktiv den Gedanken, durch ein fürsorgliches Miteinander für Jung und Alt Geborgenheit und Freundschaft wachsen lassen.
Wetterauer Zeitung 13.11.2010
Dank K.o.-Tropfen leichtes Spiel für Räuber
Opfer wachen nach Marktplatz-Feten nur mit Unterwäsche bekleidet in Garten und Tiefgarage auf - Polizei warnt
Bad Nauheim (bk).“ Morgens bin ich in einem Vorgarten in der Hauptstraße aufgewacht, nur mit Unterwäsche bekleidet. Es war peinlich und erniedrigend“, erinnert sich Frank P. (Name von der Redaktion geändert) an einen Vorfall, den er liebend gerne aus seinem Gedächtnis streichen würde. Der 31-Jährige war im Anschluss an eine Fete auf dem Marktplatz Opfer eines Raubüberfalls geworden, und er ist sich sicher: „Da waren K.o.-Tropfen im Spiel.“ Nicht nur P. berichtete von einem solchen Vorfall. Ähnliches musste eine junge Bad Nauheimerin erleiden: Sie erwachte nach einer Marktplatz-Party an einem Sommermorgen in einer Tiefgarage - die Täter hatten auch ihr nur die Unterwäsche gelassen. Von der Polizei sind keine Informationen zu diesen beiden Fällen zu erhalten, die schon einige Zeit zurück liegen. Generell warnt Sprecher Jörg Reinemer aber vor der Gefahr durch K.o.-Tropfen (siehe Kasten), die nicht zuletzt in Discos zum Einsatz kämen. Da die Mittel oft einen stundenweisen Gedächtnisverlust auslösen, würden sie von Sexualstraftätern benutzt, die willenlose Frauen vergewaltigen wollen.
Auf die Polizei ist Frank P. nicht gut zu sprechen. „Die Beamten, bei denen ich kurze Zeit nach dem Aufwachen Anzeige erstattet hatte, haben mich überhaupt nicht ernst genommen. Sie gingen von Anfang an davon aus, dass ich volltrunken in die Hände der Räuber gefallen bin.“ Von den Ordnungshütern habe er danach nur noch einmal gehört, Monate später, als das Ermittlungsverfahren eingestellt worden sei.
Wie der 31-Jährige, der aus Bad Nauheim stammt und derzeit in Norddeutschland lebt, einräumt, sei bei der Party auf dem Marktplatz reichlich Alkohol konsumiert worden. Erhaben die Freitagabend-Fete aber erst um 23 Uhr besucht, seine Erinnerung reiche nur bis etwa 23.30 Uhr – der Rest der Nacht sei durch einen Blackout aus dem Gedächtnis gelöscht. „Bekannte haben mir später erzählt, sie seien nach Hause gegangen, ich habe noch bleiben wollen.“ Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte.
Gegen 5.30 Uhr am Samstag wacht P. auf. Er lag im Vorgarten eines Anwesens in der Hauptstraße, hinter dem Zaun an einer von außen schwer einsehbaren Stelle. „ Die Täter haben mir nur die Unterwäsche gelassen. Geldbörse Schlüssel, Handy, Jacke, Hose und Schuhe – alles war weg“, erzählt der Bad Nauheimer. Die Hausbesitzer hätten in der Nacht nichts von dem Überfall bemerkt. Erst am Morgen, als der stark benommene P. im Grundstück herumtorkelte und an die Fensterläden klopfte, wollten die Hausbesitzer die Polizei verständigen. Ob die Tropfen gezielt gegen ihn eingesetzt wurden, weiß der 31-Jährige nicht. Unter dem Einfluss des Mittels gestanden zu haben, könne er nicht beweisen: „ Ich bin am Montag zum Arzt gegangen, nachdem ich das ganze Wochenende total müde war.“ Wie der Mediziner erklärt habe, sei die Substanz nur einige Stunden nach der Einnahme im Blut nachzuweisen.
Die junge Frau, die ebenfalls Opfer eines Raubüberfalls geworden war, wollte dazu gegenüber der WZ keine näheren Angaben machen. Nur so viel: Auch sie hatte eine Party auf dem Marktplatz besucht und nicht übermäßig viel Alkohol getrunken. Am nächsten Morgen erwachte sie ausgeraubt in einer Tiefgarage.
Jörg Reinemer kann zu diesen beiden Fällen nichts sagen. Er warnt allerdings vor von der K.o.-Tropfen-Gefahr. „ Vor allem von Disco-Besucherinnen sind bereits einige Anzeigen bei uns eingegangen. Meist wurden sie Opfer von Sexualdelikten, aber es gab auch Raubüberfälle“, sagt der Polizei-Sprecher. Vom Einsatz des Mittels auf dem Bad Nauheimer Marktplatz sei den Ermittlern bislang nichts bekannt.
Vor allem Disco-Besucher müssten sensibilisiert sein, weil Täter, die K.o.-Tropfen einsetzen, „leichtes Spiel“ hätten. Wer tanzen oder zur Toilette gehe, sollte möglichst einen Bekannten bitten, auf sein Getränk aufzupassen.
„Bei Verdacht sofort zum Arzt gegen“
Wetterauer Frauen-Notruf betreibt mit dem Flyer „Filmriss“ Aufklärungsarbeit
Wetteraukreis (hed). Man sieht sie nicht, riecht sie nicht und schmeckt sie nicht. Dass sie K.o.-Tropfen verabreicht bekommen haben, wird den meisten Opfern erst viel später bewusst. Am Anfang steht große Ungewissheit: Man wacht an unbekannten Orten auf, kann sich an nichts erinnern. Möglicherweise hat man doch zu viel getrunken? Dann ist die Scham meist zu groß, um professionelle Hilfe zu suchen, zum Arzt oder zur Polizei zu gehen. Doch genau das ist wichtig, sagt Christa Mansky vom Wetterauer Frauen-Notruf in Nidda.
Man hört immer wieder von Fällen, in denen Männer in der Disco jungen Frauen etwas ins Getränk tröpfeln, warten und – wenn die Wirkung eintritt – sie unter dem Vorwand, der scheinbar Betrunkenen nur zu helfen, nach draußen zu begleiten. Und sie dann in einer ruhigen Ecke zu vergewaltigen. Aber oft genug kommen die Täter – oder auch Täterinnen – aus dem näheren sozialen Umfeld. „Manchmal ist es auch der eigene Partner. Es gibt kein Täterprofil“, sagt Mansky. Mit der Aufklärungskampagne, die der Frauen-Notruf betreibt, wolle man nicht nur die Opfer über die Gefahren informieren: „Die meisten Jugendlichen wissen, dass sie ihr Glas nicht unbeaufsichtigt stehen lassen sollen.“
Vielmehr sollen auch Polizei, Ärzte, Rettungskräfte, Eltern, Lehrer und Veranstalter von Discos für einen offenen Umgang mit dem Thema sensibilisiert werden. Neu ist es nicht: „K.o.-Tropfen gab´s auch schon vor 30 Jahren. Aber das Thema ist heute präsenter. In letzter Zeit kommen immer mehr Mädchen zu uns, die den Verdacht haben, solche Tropfen verabreicht bekommen zu haben“, sagt Mansky. Verständlicherweise wollen Frauen nach einer Vergewaltigung erst einmal unter die Dusche. Damit Beweise vor Gericht aber gültig sind, müssen sie korrekt dokumentiert werden. Daher solle man beim Verdacht sofort zum Arzt gehen, der Blut und Urinproben nehmen kann, rät Mansky. Der Frauen-Notruf biete anonyme Beratung an – damit Frauen mit ihren Ängsten und dem Erlebten nicht alleine bleiben müssen.
Rund 10000 Info-Flyer mit dem Titel „Filmriss“ stehen, dem Wetterauer Frauen-Notruf zur Verfügung. Infos unter Telefon 06043-4471
Kreis-Anzeiger 20.11.2010
Menschen erreichen und sensibilisieren
21 Bäckereien beteiligen sich an Aktion gegen Gewalt
Wetteraukreis (jwn). Brötchentüten, die den Slogan „Gewalt kommt mir nicht in die Tüte“ tragen, sind derzeit hessenweit Teil einer Kampagne gegen häusliche Gewalt. Landrat Joachim Arnold (SPD) verteilte die Tüten zusammen mit dem Obermeister der Wetterauer Bäckerinnung, Uwe Rumpf, sowie Vertretern des Runden Tisches gegen Gewalt in einer Friedberger Bäckerei. In der Wetterau beteiligen sich 21 Bäckereien an der Aktion, die heute offiziell beginnt und eine Woche dauert.
Auf diesem Weg sollen so viele Menschen wie möglich erreicht und sensibilisiert werden. Denn: Aus einer Studie des Bundesfamilienministeriums geht hervor, dass bisher jede vierte Frau vom eigenen Partner misshandelt wurde. In 70 Prozent der Fälle geschah dies sogar innerhalb der eigenen vier Wände. Im Wetteraukreis wurden der Polizei im vergangen Jahr 278 derartige Straftaten gemeldet. Deshalb unterstützte der Kreis auch Einrichtungen wie das Frauenhaus, den Frauen-Notruf und Wildwasser, betonte Landrat Arnold.
Die Brötchentüte auf dem Frühstückstisch soll deutlich machen: Hinsehen ist notwendig. Wegzusehen und zu schweigen, heißt, die Täter zu schützen. Die Aktion wurde bereits vor mehreren Jahren von der Landesarbeitsgemeinschaft der Hessischen Frauenbüros initiiert und wird vom hessischen Sozialministerium und dem Bäckerinnungsverband in Hessen unterstützt und durchgeführt. In der Wetterau geschieht dies in diesem Jahr zum ersten Mal. Insgesamt wurden über eine Million Tüten verteilt. Auf deren Rückseiten stehen Kontaktadressen von Beratungsstellen, Frauenhäusern und dem lokalen Netzwerk im Wetteraukreis.
Arnold begrüßte das Engagement der Innung und er übrigen sozialen Einrichtungen. Das mache deutliche, dass Gewaltschutz eine Gemeinschaftsaufgabe sei, der sich alle stellen sollten. Für Arnold gehören der Schutz und die verbesserte Situation der von Gewalt betroffenen Frauen und Kinder in der Wetterau zu den Pflichtaufgaben kommunalpolitischen Handelns. Deshalb sei der Kreis ein verlässlicher Partner und stelle den Fachberatungsstellen nicht nur finanzielle Ressourcen zur Verfügung. „Unser ziel ist es, Frauen und ihre Kinder vor häuslicher und sexualisierter Gewalt zu schützen, damit sie ein gewaltfreies Leben führen können“, so der Landrat.
Untersuchungen hätten gezeigt, dass Frauen im Durchschnitt sieben Jahre in einer Gewaltbeziehung leben, bevor sie Hilfe von außen suchen. Darauf wies die Leiterin des Wetterauer Fachdienstes Frauen und Chancengleichheit, Kornelia Schäfer, noch einmal ausdrücklich hin. Deshalb bekommen die Betroffenen über die Tüten wichtige Informationen, ohne sich auf auffällige Weise danach erkundigen zu müssen.