Lebensnaher, zugleich bestürzender Vortrag
200 Frauen fanden sich zum Neujahrsfrühstück es Bezirkslandfrauenvereins in der Schottener Festhalle ein
Schotten (em). Kaffeeduft, Stimmengewirr, ein Gläschen Sekt zum Empfang – 200 Landfrauen aus dem Schottener Bezirksverein konnte die Vorsitzende Monika Hild beim traditionellen Neujahrsfrühstück in der Schottener Festhalle begrüßen.
Mit heiter-nachdenklichen Versen von Wilhelm Busch eröffnete sie und sprach die Gemeinschaft der unterschiedlichen Frauen an, die sich doch in vielseitiger Vereinsarbeit verbunden fühlen. Für musikalische Facetten sorgte der gemeinsame Chor der Landfrauen aus Eschenrod und Wingershausen. Von Heike Strauch am Keyboard begleitet, sangen sie Volkstümliches mit einem Hauch Nostalgie und holten sich lebhaften Applaus.
Und schon lockte mit Deftigem und Süßem das Frühstücksbüffet. Leckeres aus den Küchen der Landfrauen- selbst gemixte Brotaufstriche, Marmeladen aus eigenen Gartenfrüchten, pikante gefüllte Eier – kaum etwas fehlte. In Ruhe essen, Zeit genug, um ein Schwätzchen mit Freundinnen, Verwandten, Frauen aus anderen Ortsvereinen zu halten, das gehört zu den beliebtesten Elementen des Neujahrsfrühstücks.
Aber ebenso will man sich Informationen und Anregungen holen und lädt deshalb immer sachkundige Referentinnen ein. In diesem Jahr konnte Monika Hild Christa Mansky und
Körperliche, seelische, sexualisierte, soziale, wirtschaftliche Unterdrückung, Stalking – Christa Mansky zeigte auf, dass Gewalt viele Gesichter haben kann. Sie stellte die Ergebnisse einer Studie vor, für die 10 000 Frauen zwischen 16 und 85 Jahren befragt wurden. Offensichtlich kein seltenes Phänomen: 37 Prozent gaben an, körperliche Gewalt erlitten zu haben, 58 Prozent nannten sexuelle Belästigung, 42 Prozent psychische Gewalt, 25 Prozent hatten in einem so aggressiven Milieu gelebt, dass sie verschiedenen Gewaltformen ausgesetzt waren. Leider handelte es sich häufig um das Verhalten von Ehemann oder Lebenspartner und war nicht etwa ein Phänomen von Randgruppenfamilien: „Gewalttätiges Verhalten findet sich unabhängig von Alter, Religion, Nationalität und Schichtzugehörigkeit“, betonte Mansky. Auch Polizeistatistiken bestätigten: in 96 Prozent der Fälle seien die Täter männlich, die immer schlimmeren Übergriffe steigerten sich en einem langsamen Eskalationsprozess. Gerade weil es zwischendurch immer wieder „gute“, relativ gewaltfreie Phasen gebe, falle es den Frauen schwer, die nötigen Konsequenzen zu ziehen. Gefährlich sei zum einen die langfristige körperliche und seelische Verelendung von Gewaltopfern, aber auch die Phase der Trennung, wo der Partner mit allen Mitteln versuche, die Frau festzuhalten. Kinder seien nicht nur verstörte Beobachter der aggressiven Szenen, sondern selbst gefährdet. In Gewaltfamilien würden Kinder nachweislich siebenmal häufiger geschlagen als in einer Umgebung mit friedlichen Konfliktlösungen. Verletzungen, schwere Ängste, psychosomatische Erkrankungen – kurz: gravierende Entwicklungsrisiken für Kinder – seien die Folge, aber auch Persönlichkeitsstörungen, die im Erwachsenenalter die Grundlage von Alkohol- oder Drogensucht, Depressionen, eigener schwerer Gewalttätigkeit oder passiver Opferhaltung sein könnten. Wie kann nun der Frauennotruf Betroffenen helfen?
Zum einen durch Beratung. Die betroffenen Frauen können eine Perspektive entwickeln, wie sie zumindest der häuslichen ‚Gewalt Grenzen setzen können oder – da dies oft nicht mehr möglich ist – wie Trennung und Entwicklung einer eigenständigen Lebenssituation mit den Kindern organisiert werden kann. Zu den Interventionsmöglichkeiten des Notrufs gehört etwa die Vermittlung an weitere Hilfsorganisationen oder das Nutzen des Gewaltschutzgesetzes, 2002 verabschiedet, mit dem Verweis des aggressiven Partners aus der gemeinsamen Wohnung. Die Öffentlichkeitsarbeit des Notrufs hat das Ziel, mehr Verständnis und Unterstützung für Gewaltopfer aufzubauen, aggressivem Verhalten gegenüber Frauen und Kindern die Bagatellisierung als „Kavaliersdelikt“ zu nehmen, gewaltfreie Konfliktlösungen und Partnerschaftlichkeit als ein Ziel der Kindererziehung zu fördern. „Gewalt kostet unsere Volkswirtschaft Millionen, vom Elend der Betroffenen einmal abgesehen. Sie setzt sich in der nächsten Generation fort, wenn ihr kein Einhalt geboten wird“, betonte Mansky und zeichnete die Entwicklung ihrer Institution mit 1,8 fest Angestellten und etlichen Ehrenamtlichen von 1987 bis heute auf. Kostenlose Beratung, Verschwiegenheit nach außen, Frauenparteilichkeit sind die Grundmerkmale der Arbeit. Monika Hild bedankte sich für den ebenso lebensnahen wie bestürzenden Vortrag. Die Spenden des Frauenfrühstücks kommen diesmal dem Notruf zugute.
Häufig wollen Frauen dem Täter helfen
Arbeitskreis „Keine Gewalt gegen Frauen und Kinder“ veranstaltet Informationsabend zum Thema Stalking
Von Iris Hartebrodt
BÜDINGEN. Der Arbeitskreis „ Keine Gewalt gegen Frauen und Kinder“ hatte zu einer Informationsveranstaltung zum Thema Stalking in das Büdinger Kulturzentrum Oberhof geladen. Zunächst wurde eine 40-minütige Dokumentation gezeigt, die anhand eines konkreten, erschütternden Falles die Stufen der eskalierenden Entwicklung und die verschiedenen Aspekte des Stalkings aufzeigte.
Im Anschluss stiegen die Referenten-Moderatorin
Zum Hintergrund: Zwar wurde das Anti-Stalking-Gesetz nach Paragraf 238 des Strafgesetzbuches von Bundestag und Bundesrat verabschiedet, jedoch fehlt bislang noch die Unterschrift des Bundespräsidenten und ist daher noch nicht in Kraft getreten. Stalking heißt auf Deutsch „Nachstellen“. Die Opfer werden fortgesetzt verfolgt, belästigt und bedroht, vielfach folgt körperliche Gewalt bis hin zum Mord. Stalker können Männer wie Frauen, Bekannte oder Fremde sein. Doch in über 80 Prozent der Fälle sind Frauen die Opfer, bei den Tätern handelt es sich in der Hauptsache um die ehemaligen Partner. Dabei ist Stalking kein neues Phänomen, aber jetzt hat der Tatbestand einen Namen, ist greifbar und somit angreifbar. Früher hatten die Stalkingopfer oft das Gefühl, sie müssten mit den ständigen Telefonanrufen, mit den Versuchen der Kontaktaufnahme und den Verfolgungen allein fertig werden. Das Gesetz macht klar: Stalking ist keine Privatsache, sondern strafwürdiges Unrecht.
Doch wann genau fängt Stalking an? Was sollte ein Stalkingopfer auf jeden Fall beachten? Wer kümmert sich mit welchen Maßnahmen um die Stalker? Was kann die Polizei leisten, was nicht? Gerade Frauen wollen dem Täter häufig helfen, gehen den Kontaktversuchen nach Ein fataler Fehler, denn damit wird der Stalker in seinem Tun noch bestärkt. Die Situation für die Frauen wird noch schwieriger, wenn Kinder im Spiel sind. Zum Umgang mit Stalkern geben die Beratungsstellen und die Polizeidienststellen Hilfesuchenden eine Reihe von grundsätzlichen Empfehlungen.
Die Diskussion im Büdinger Oberhof machte deutlich, dass der neue Straftatbestand es den Strafverfolgungsbehörden zwar ermöglicht, künftig schneller einzugreifen und dadurch die Opfer besser zu schützen. Doch nur zügiger Kompetenzaufbau, ständiger Informations- und Kommunikationsfluss und vernetztes länderübergreifendes Handeln auf allen Ebenen der Institutionen und Behörden können auf Dauer zu wirksamen Maßnahmen im Kampf gegen Stalker führen.
Heute Abend wird die Veranstaltung im Bibliothekszentrum in Friedberg wiederholt. Beginn ist um 19.30 Uhr.
Quelle: Wetterauer Zeitung, 17.03.2007
Wetteraukreis (geo)
Die 38-jährige Hotelangestellte Corinna aus der Nähe von Bremen wird nach der Trennung von ihrem Ehemann beständig von diesem verfolgt und belästigt. Intensität und Bedrohlichkeit seiner Übergriffe nehmen zu. Obwohl Freunde, Bekannte und Familienmitglieder sie in dieser Situation tatkräftig unterstützen, kann das Schlimmste nicht verhindert werden: Corinna wird wenige Monate nach der Trennung von ihrem Mann mit 16 Messerstichen ermordet. Die junge Frau wurde zum Stalking-Opfer (Stalking kommt aus dem englischen und bedeutet: anschleichen, anpirschen).
Wie es dazu kommen konnte, zeigte der Arbeitskreis (AK) „Keine Gewalt gegen Frauen und Kinder“ anhand eines 40-minütigen Dokumentarfilms, der sich mit dem Fall beschäftigte. Kai Christiansen drehte den Film unter dem Arbeitstitel „Nach Trennung Mord“ und ließ erstmals Personen aus dem Umfeld des Opfers zu Wort kommen. In Büdingen wurde der Film im Rahmen des Internationalen Frauentags gezeigt, nun wurde er im Bibliothekszentrum Klosterbau in Friedberg wiederholt.
„Wir wollen über das Thema informieren, besonders vor dem Hintergrund, dass Bundestag und Bundesrat ein neues Gesetz zum besseren Schutz für Stalking-Opfer verabschiedet haben, das allerdings noch nicht in Kraft getreten ist“, sagten die Mitglieder des AK Christa Mansky vom Frauen-Notruf, Renate Treber von „Frauen helfen Frauen“, Brigitte Otto-Braun von der Fachberatungsstelle „Wildwasser“ und Günther Volp von der Polizei Wetterau. Mit dem neuen Gesetz sollen Stalking-Opfer, die unter fortgesetzter Verfolgung, Belästigung und Bedrohung leiden, künftig strafrechtlich besser geschützt werden. Strafbarkeitslücken sollen geschlossen und ein effektiverer Opferschutz erreicht werden. Der Gesetzgeber setzt das eindeutige Zeichen, dass Stalking keine Privatsache sondern strafwürdiges Unrecht ist, wobei der Täter mit den Mitteln des Strafrechts belangt wird.
Durch eine Ergänzung des Haftgrundes der Wiederholungsgefahr in Paragraph 112a Strafprozessordnung werde es künftig die Möglichkeit geben, Haft gegen gefährliche Stalking-Täter anzuordnen, so die AK-Mitglieder. Damit werde für extreme Fallkonstellationen die Möglichkeit geschaffen, gefährliche Täter in Haft zu nehmen, um schwere Straftaten gegen Leib und Leben zu verhüten.
Der Film machte deutlich, dass die Mehrzahl der Opfer den Täter kennt. Wie dargestellt wurde, sind dies häufig Ex-Partner, die eine Trennung nicht akzeptieren oder andere Bekannnte, die eine intime Beziehung zu dem Opfer herstellen wollen. Vorübergehender Zorn oder Liebeskummer mit Versuchen Kontakt herzustellen, sei noch kein Stalking. Erst wenn die Handlungen andauerten und die Häufigkeit, Intensität und Bedrohlichkeit zunähmen, werde von Stalking gesprochen. Die Verfolgung kann Monate oder Jahre andauern und führt bei den Betroffenen häufig zu massiven Ängsten, Schlafstörungen und Depressionen mit sozialem Rückzug.
Einige Stalking-Opfer wie Corinna wechseln ihren Arbeitsplatz oder Wohnort, aus Angst vor weiteren Angriffen des Täters. Wie während der Veranstaltung informiert wurde, werden nach einer Studie des Zentralinstituts für seelische Gesundheit in Mannheim fast zwölf Prozent aller Menschen in Deutschland im Lauf ihres Lebens mindestens einmal gestalkt. Mit einem Anteil von über 80 Prozent sind Frauen als Opfer überrepräsentiert. Liegt Stalking vor, muss dem Stalker unmissverständlich klar gemacht werden, dass man in Zukunft keinerlei Kontakt mit ihm wünscht; danach solle man ihn ignorieren, erfuhren die Gäste der Veranstaltung. Ratsam sei es, das gesamte Umfeld zu informieren und alle Handlungen des Stalkers zu dokumentieren. Bei Telefonterror könnten Kontakte mit der Polizei, der Telefongesellschaft oder dem Internet-Service-Provider hilfreich sein. Auch kann Anzeige bei der Polizei erstattet werden. „Wir haben die Möglichkeit, eine Gefährdungsanalyse durchzuführen und die Frau in ein Schutzprogramm aufzunehmen“, sagte Volp.
(06031/166773), beim Frauen-Notruf Wetterau (06043/4471), beim Verein Wildwasser Wetterau (06031/64000) oder im Internet: www.weisser-ring.de
Nachspüren kann Stalkern Haftstrafe einbringen
Arbeitskreis „Keine Gewalt gegen Frauen und Kinder“ zeigt Film „Nach Trennung Mord“ und informiert über Rechtslage
Wetteraukreis (geo) Die 38-jährige Hotelangestellte Corinna aus der Nähe von Bremen wird nach der Trennung von ihrem Ehemann beständig von diesem verfolgt und belästigt. Intensität und Bedrohlichkeit seiner Übergriffe nehmen zu. Obwohl Freunde, Bekannte und Familienmitglieder sie in dieser Situation tatkräftig unterstützen, kann das Schlimmste nicht verhindert werden: Corinna wird wenige Monate nach der Trennung von ihrem Mann mit 16 Messerstichen ermordet. Die junge Frau wurde zum Stalking-Opfer (Stalking kommt aus dem englischen und bedeutet: anschleichen, anpirschen).
Wie es dazu kommen konnte, zeigte der Arbeitskreis (AK) „Keine Gewalt gegen Frauen und Kinder“ anhand eines 40-minütigen Dokumentarfilms, der sich mit dem Fall beschäftigte. Kai Christiansen drehte den Film unter dem Arbeitstitel „Nach Trennung Mord“ und ließ erstmals Personen aus dem Umfeld des Opfers zu Wort kommen. In Büdingen wurde der Film im Rahmen des Internationalen Frauentags gezeigt, nun wurde er im Bibliothekszentrum Klosterbau in Friedberg wiederholt.
„Wir wollen über das Thema informieren, besonders vor dem Hintergrund, dass Bundestag und Bundesrat ein neues Gesetz zum besseren Schutz für Stalking-Opfer verabschiedet haben, das allerdings noch nicht in Kraft getreten ist“, sagten die Mitglieder des AK Christa Mansky vom Frauen-Notruf, Renate Treber von „Frauen helfen Frauen“, Brigitte Otto-Braun von der Fachberatungsstelle „Wildwasser“ und Günther Volp von der Polizei Wetterau. Mit dem neuen Gesetz sollen Stalking-Opfer, die unter fortgesetzter Verfolgung, Belästigung und Bedrohung leiden, künftig strafrechtlich besser geschützt werden. Strafbarkeitslücken sollen geschlossen und ein effektiverer Opferschutz erreicht werden. Der Gesetzgeber setzt das eindeutige Zeichen, dass Stalking keine Privatsache sondern strafwürdiges Unrecht ist, wobei der Täter mit den Mitteln des Strafrechts belangt wird.
Durch eine Ergänzung des Haftgrundes der Wiederholungsgefahr in Paragraph 112a Strafprozessordnung werde es künftig die Möglichkeit geben, Haft gegen gefährliche Stalking-Täter anzuordnen, so die AK-Mitglieder. Damit werde für extreme Fallkonstellationen die Möglichkeit geschaffen, gefährliche Täter in haft zu nehmen, um schwere Straftaten gegen Leib und Leben zu verhüten.
Der Film machte deutlich, dass die Mehrzahl der Opfer den Täter kennt. Wie dargestellt wurde, sind dies häufig Ex-Partner, die eine Trennung nicht akzeptieren oder andere Bekannnte, die eine intime Beziehung zu dem Opfer herstellen wollen. Vorübergehender Zorn oder Liebeskummer mit Versuchen Kontakt herzustellen, sei noch kein Stalking. Erst wenn die Handlungen andauerten und die Häufigkeit, Intensität und Bedrohlichkeit zunähmen, werde von Stalking gesprochen. Die Verfolgung kann Monate oder Jahre andauern und führt bei den Betroffenen häufig zu massiven Ängsten, Schlafstörungen und Depressionen mit sozialem Rückzug.
Über 80 Prozent der Opfer sind Frauen
Einige Stalking-Opfer wie Corinna wechseln ihren Arbeitsplatz oder Wohnort, aus Angst vor weiteren Angriffen des Täters. Wie während der Veranstaltung informiert wurde, werden nach einer Studie des Zentralinstituts für seelische Gesundheit in Mannheim fast zwölf Prozent aller Menschen in Deutschland im Lauf ihres Lebens mindestens einmal gestalkt. Mit einem Anteil von über 80 Prozent sind Frauen als Opfer überrepräsentiert. Liegt Stalking vor, muss dem Stalker unmissverständlich klar gemacht werden, dass man in Zukunft keinerlei Kontakt mit ihm wünscht; danach solle man ihn ignorieren, erfuhren die Gäste der Veranstaltung. Ratsam sei es, das gesamte Umfeld zu informieren und alle Handlungen des Stalkers zu dokumentieren. Bei Telefonterror könnten Kontakte mit der Polizei, der Telefongesellschaft oder dem Internet-Service-Provider hilfreich sein. Auch kann Anzeige bei der Polizei erstattet werden. „Wir haben die Möglichkeit, eine Gefährdungsanalyse durchzuführen und die Frau in ein Schutzprogramm aufzunehmen“, sagte Volp.
Informationen und Hilfe gibt es unter anderem bei der Beratungsstelle „Frauen helfen Frauen“ (06031/166773), beim Frauen-Notruf Wetterau (06043/4471), beim Verein
Frankfurter Rundschau 18.01.2007
„Ladies Night“ in der Wasserburg als Benefizaktion
Die Burgfestspiele Bad Vilbel widmen erstmals eine Vorstellung einem guten Zweck. Auf Initiative des Zonta-Clubs Bad Vilbel-Karben geht ein Drittel des Erlöses an den „Frauen-Notruf für den Wetteraukreis“.
Bad Vilbel
Sie haben keine Arbeit, kein Geld, kein Talent, kein Glück in der Liebe – Was macht es da schon, auch noch den alles andere als makellosen Körper vor Publikum zu entblößen? Sechs verzweifelten Männern erscheint das jedenfalls als einziger Ausweg: Sie gründen ihre eigenen Striptease-Show und tingeln durch die Lande. Im Sommer sind sie in Bad Vilbel zu bestaunen. Denn „Ladies Night“, die Bühnenversion der britischen Filmkomödie „Ganz oder gar nicht“, gehört in diesem Jahr zu den Eigeninszenierungen der Burgfestspiele.
Am 24. August soll das Theaterstück nicht nur dem Amüsement, sondern auch einem guten Zweck dienen. Auf Initiative des Zonta-Clubs Bad Vilbel-Karben, dem lokalen Verband der weltweit tätigen Organisation berufstätiger Frauen „Zonta International“, kommt der Erlös jeder dritten Karte dem „Frauen-Notruf für den Wetteraukreis“ zugute. „Das ist eine Anlaufstelle, die Frauen sehr schnell und direkt helfen kann“, begründet Evi Kreil, Vize-Präsidentin des Zonta-Clubs Bad Vilbel-Wetterau, die Wahl. „Daher ist das Geld dort gut angelegt.“
Und der Frauen-Notruf kann es brauchen. Als gemeinnütziger Verein werde er zwar von Kreis und Land finanziell unterstützt, sagt Christa Mansky, eine der beiden hautpamtlichen Mitarbeiterinnen. „Doch darüber hinaus sind wir auf Spenden angewiesen“. Seit 19 Jahren bietet der in Nidda ansässige Notruf Hilfe für Mädchen und Frauen, die Gewalt erfahren haben oder davon bedroht sind. Tatsächlich sei die Misshandlung von Frauen weiter verbreitet, als gemeinhin angenommen. „Wir führen etwa 200 Beratungsgespräche pro Jahr“.
Nun wird ausgerechnet eine Komödie über strippende Männer zur Benefizveranstaltung für den Frauen-Notruf. „Wir haben uns ganz bewusst für Ladies Night entschieden, weil wir fanden, dass das gut passt“, erklärt Evi Kreil, Vizepräsidentin des Zonta-Clubs Bad-Vilbel-Karben. Das Stück spreche schließlich vor allem das weibliche Publikum an. „Damit schließt sich der Kreis thematisch“, ergänzt Zonta-Präsidentin Gabriele Sigmund. Alle drei Projekte seien ja mehr oder weniger Frauen-Projekte. Am 24. August dürfen aber gerne auch männliche Zuschauer in die Wasserburg kommen. 700 Tickets hat Zonta für den Abend reserviert, 180 sind bereits verkauft. „Uns geht es darum, dass alle beteiligten Partner einen Nutzen aus der Sache ziehen“, sagt Claus-Günther Kunzmann, Leiter der Burgfestspiele. Die Veranstalter hätten die Chance, dass die Vorstellung komplett ausverkauft werden. „Durch die Zusammenarbeit mit Zonta erschließen sich uns Gäste, die vielleicht nie nach Bad Vilbel gekommen wären“, hofft Kunzmann. Der Zonta-Club Bad Vilbel-Karben, der 23 Mitglieder zählt, profitiere weil sein Engagement bekannter werde, so die beiden Präsidentinnen. Und der Frauen-Notruf kann sich bei einem Höchstumsatz von 15 000 Euro über eine Spende von etwa 5 000 Euro freuen (Meike Kolodziejczyk)
Kreis-Anzeiger
4 000-Euro-Spende für Frauen-Notruf Wetterau
Benefizveranstaltung des Zonta Clubs in Bad Vilbel
BAD VILBEL/NIDDA (fmp). Anlässlich der Burgfestspiele hatten 23 Mitglieder des vor sechs Jahren gegründeten Zonta Clubs Bad Vilbel-Karben zu einer Benefizveranstaltung eingeladen, bei der in der Wasserburg die von Regisseurin Corinna Bethge inszenierte Komödie „Ladies Night – Ganz oder gar nicht“ aufgeführt wurde. Der Erlös der Veranstaltung wurde dem Frauen-Notruf Wetterau in Nidda übergeben.
Gemeinsam mit dem Schirmherrn der Veranstaltung, Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU), begrüßte die Zonta-Präsidentin Gabriele Sigmund die Gäste in der voll besetzten Burgruine. Die Stadt Bad Vilbel überließ dem örtlichen Zonta Club einen Teil der Einnahmen der Aufführung. Dafür rührten die Frauen kräftig und mit Erfolg die Werbetrommel für die Veranstaltung in befreundeten Clubs, im Bekanntenkreis und in der Öffentlichkeit.
„Dem Gedanken Zontas folgend, unterstützen wir in erster Linie Projekte, die Frauen zugute kommen“, sagte Präsidentin Sigmund. „Das gemeinsame Ziel von uns ist es, die Situation von Frauen auf allen Ebenen der Gesellschaft zu verbessern.“ In diesem Sinne überreichte die Präsidentin gemeinsam mit Vizepräsidentin Evi Kreil und dem Schirmherrn einen symbolischen Scheck über 4 000 Euro an
Der Frauen-Notruf bietet Beratung, Unterstützung und Hilfe für Frauen und Mädchen, die von körperlicher und seelischer Gewalt bedroht oder betroffen sind. Die kostenlosen Beratungen werden per E-mail oder persönlich in Gesprächen in Nidda, Büdingen und nach Absprache auch in anderen Orten des Wetteraukreises angeboten. Das Angebot richtet sich an Frauen und Mädchen jeglicher kultureller, ethnischer und sozialer Herkunft, unabhängig vom Aufenthaltstatus, egal welchen Alters, mit und ohne Behinderung, gleich welcher Lebensform. Die 4 000 Euro sollen für laufende Betreuungen und die Erneuerung der Büroausstattung verwendet werden.
Zu erreichen ist der Frauen-Notruf telefonisch unter 06043-4471.
Weitere Infos im Internet: www.frauen-notruf-wetterau.de
Morgen Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen
WETTERAUKREIS (pd). Morgen findet der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen statt. Anlass für den Wetterauer Arbeitskreis „Keine Gewalt gegen Frauen und Mädchen“ , Prominente, Politiker und Bürger der Wetterau aufzurufen, sich an der Mitmachkampagne „Standpunkte gegen Gewalt“ zu beteiligen und ihre ganz persönliche Haltung gegen Gewalt an Frauen zu zeigen. Mit einem Foto ihrer Füße und einer Aussage gegen Gewalt sollen sie deutlich machen, dass Gewalt gegen Frauen abgelehnt und geächtet wird. Mehr als 1000 Bilder wurden bisher auf der Internetseite der bundesweiten Kampagne ( www.frauen-gegen-gewalt.de ) eingestellt. Die Aktion wurde vom Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe gestartet und wird an vielen Orten unterstützt. Auch im Wetteraukreis.
Zahlreiche Bürger haben sich bereits beteiligt, so zum Beispiel beim Tag der offenen Tür der Kreisverwaltung, beim Karbener Familientag. Viele Kreistagspolitiker haben sich zur Kreistagssitzung am 21. November fotografieren lassen. „Die Resonanz in der Bevölkerung ist sehr gut, viele finden die Ziele der Aktion wichtig“, fasst Christa Mansky von Frauennotruf Wetterau ihre Erfahrungen zusammen. Ein weiterer Fototermin findet am Montag, 26. November, 19 bis 20 Uhr in den Räumen der Ev. Familienbildungsstätte (Alte Wäscherei) statt. Man kann auch ein Foto mit der Aussage gegen Gewalt an folgende E.-Mail-Adresse schicken: FrauenNotruf@t-online.de. Abgerundet wird die Wetterauer Aktion durch eine Ausstellung der Bilder im März 2008 im Dienstleistungszentrum der Kreisverwaltung in Friedberg. Weitere Informationen gibt es unter www.frauen-gegen-gewalt.de oder beim Fachdienst Frauen und Chancengleichheit des Wetteraukreises, Leonhardstr. 7, 61169 Friedberg, 06061/835301, E-Mail: fachdienst-frauen@wetteraukreis.de und Frauen-Notruf Wetterau e.V., Tel. 06043/4471, E-Mail: FrauenNotruf@t-online.de
Hintergrund Gewalt gegen Frauen und Kinder ist keine Privatsache. Laut einer Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland“ haben zwei von fünf Frauen in ihrem Leben sexuelle oder körperliche Gewalt erlebt. Jede vierte Frau in Deutschland ist mindestens einmal im Leben von häuslicher Gewalt betroffen. Häusliche Gewalt ist die häufigste Ursache von Verletzungen bei Frauen, häufiger als Verkehrsunfälle, Überfälle und Vergewaltigungen zusammen genommen. Die Organisation Terre des Femmes schätzt, dass Gewalt gegen Frauen und Mädchen die Solidargemeinschaft jährlich 14,8 Milliarden Euro kostet. Jährlich fliehen 40 000 Frauen mit ihren Kindern in Frauenhäusern.
Unterstützung sozialer Einrichtungen
Inner Wheel Club Bad Orb – Büdingen – Nidda spendet Basar-Erlös an fünf gemeinnützige Organisationen
NIDDA (ih). Im Haus der Kirche und Diakonie in Niddas Bahnhofstraße hatten sich jetzt Menschen verschiedener Institutionen zusammengefunden, die sich allesamt dem sozialen Dienst verschrieben haben.
Eingeladen hatte der Inner Wheel Club Bad Orb- Büdingen-Nidda. Der Erlös des diesjährigen Wohltätigkeitsbasars sollte fünf gemeinnützigen Einrichtungen ausgehändigt werden: dem evangelischen Dekanat Büdingen, der Hammerwaldschule in Hirzenhain, dem Kinder-und Jugendhilfeverein Menschen’s Kinder in Schotten, der Niddaer Außenstelle der Schottener Tafel und dem Frauen-Notruf Wetterau.
Club–Sekretärin Irmtraud Hofmann stellte die Aktivitäten der Serviceorganisation Inner Wheel kurz vor, deren Hauptanliegen die Pflege der Freundschaft untereinander, die internationale Verständigung und das soziale Engagement sei.
Pressesprecherin Magret Reuning ergänzte: Schwerpunkt des Engagements ist die Unterstützung von Frauen und Kindern. Seit fünf Jahren führen die Damen des Inner Wheel Clubs Bad Orb- Büdingen-Nidda einen Basar mit hochwertigen gut erhaltenen Secondhand-Kleiderstücken durch. Nach Bad Orb und Büdingen wurde diesmal der Basar in Nidda im kleinen Saal des Bürgerhauses während des Martinsmarktes abgehalten. Schatzmeisterin Claudia Hessler: Der gesamte Erlös aus dem Verkauf von Kleidern, Bücher und Flohmarktartikeln kommt nun zu gleichen Teilen fünf Organisationen zugute.
Kornelia Brückmann, Mitarbeiterin des evangelischen Dekanates Büdingen , deren Schwerpunkt die Betreuung allein erziehender Mütter ist, plant die Spende für die sommerliche Freizeitmaßnahme dieser Frauen mit ihren Kinder zu nutzen. “Nach der Hartz IV Reform werden hierfür keine staatlichen Zuschüsse mehr bewilligt“ erklärte sie.
Elfi Salge-Löscher, Vorsitzende des Fördervereines Hammerwaldschule Hirzenhain und Sandra Müller, Kassiererin des Fördervereines möchte für die 120 praktisch bildbaren Schüler ein weiteres Gerät zur Kommunikationsunterstützung, einen so genannten „Bigmäck“ anschaffen. „Unsere Schulform findet nicht viel Unterstützung, daher freuen wir uns um so mehr über die Spende von Inner Wheel“ sagten Salge-Loscher und Müller
Hubert Clermont, Geschäftsführer von Menschen’s Kinder der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung in Schotten, die vor kurzem ihren zehnten Geburtstag feierten, wird das Geld speziell in die Arbeit mit weiblichen Jugendlichen fließen lassen. „Die heranwachsenden jungen Frauen haben in dieser Phase ihres Lebens ganz eigene Probleme und Bedürfnisse.“
Der Frauen-Notruf Wetterau mit dem Sitz in Nidda, Beratungsstelle für Frauen und Mädchen, die von körperlicher, seelischer oder sexualisierter Gewalt bedroht sind oder waren hat eine neue Website. Gerne würde Barbara Steffani- Velden und
„Über kurz oder lang werden wir um den Erwerb eines eigenen Kraftfahrzeuges nicht herumkommen, da können wir die Unterstützung gut gebrauchen“, so schildert Konrad Kaufmann die Situation der Schottener Tafel Ausgabestelle Nidda. Laut Lebensmittelhygieneverordnung darf beim Umgang mit frischen Lebensmitteln die Kühlkette nicht unterbrochen werden. Ob es künftig reicht, Kühlboxen einzusetzen, oder ob das Automobil sogar ein Kühlfahrzeug sein muss, wird Konrad Kaufmann klären. „Der Anschaffungspreis würde gleich um einige tausend Euro teurer.“
„Das war nicht unser letzter Basar“, stellte Club-Vizepräsidentin Christine Dziengel in Aussicht. „Inner Wheel bemüht sich, durch ein fürsorgliches Miteinander für Jung und Alt Geborgenheit und Freundschaft wachsen zu lassen. Soziales Engagement ist für Inner Wheel von Anfang an eine Verpflichtung gewesen und allen Clubs ein großes Anliegen. “Wie selbstverständlich dieses den Damen ist und wie unpragmatisch das aussehen kann, zeigte sich auch an diesem Abend: Als Kornelia Brückmann den Fall einer Frau schilderte, die von ihrem Ehemann mittellos auf die Straße gesetzt wurde, erbot sich Christa Dziengel gleich, mit Kleidung auszuhelfen. Das einzige Problem, was sich stellte: “In welcher Konfektionsgröße braucht sie es denn?“
Kreis Anzeiger
„Wichtige gesellschaftliche Funktion“
CDU-Landtagskandidat Dietz besucht Frauen-Notruf – Unterstützung des Landes und der Stadt Bad Nauheim zugesichert
NIDDA (pd). Der Schutz vor Gewalt an Frauen und Mädchen stand im Mittelpunkt des Treffens des CDU-Landtagskandidaten Klaus Dietz beim Frauen-Notruf in Nidda. Begleitet von den CDU-Stadtverordneten Brigitte Müller und Gabriele Reichhold, ließ Dietz sich zunächst von Gründerin Ulla Seipel, der Soziologin Christa Mansky sowie den Mitarbeiterinnen Alva Cornelius und Barbara Velden über das Aufgabenfeld der vor19 Jahren gegründeten Beratungsstelle unterrichten. Frequentiert werde der Notruf von Frauen, oft auch mit Kindern, „die miterleben müssen, wie ihre Mütter geschlagen werden“, sagten die Frauen. Ziel sie es, die Opfer in Krisensituationen nicht alleine zu lassen. Sie bekämen Wege aufgezeigt, wie sie praktisch und psychisch ihre schwierige Lage verändern könnten. Die Hilfe – auch bei Behördengängen oder vor Gericht – sei kostenlos, diskret und auf Wunsch auch anonym. Mit Behörden wie Polizei, Jugendamt und Gericht arbeite man eng zusammen, erklärten
Finanziert werde der Frauen-Notruf vom Land, dem Wetteraukreis und einzelnen Kommunen. Sorge bereitet den engagierten Frauen „die finanzielle Unberechenbarkeit“. Jedes Jahr gebe es aufs Neue Bedenken, ob die kommunalen Mittel im bisherigen Umfang oder gekürzt gezahlt würden. „Ohne Spenden wäre unsere Arbeit nicht möglich“, betonte Seipel. Besonderes Lob zollten sie und Frau Mansky der Stadt Nidda. Bürgermeisterin Lucia Puttrich setze sich persönlich für den Frauen-Notruf ein. Seit vielen Jahren stelle die Stadt dem Frauen-Notruf kostenlos Räume zur Verfügung. Die hauptamtliche Arbeit werde von drei Teilzeitkräften geleistet; da deren Regelarbeitszeit bei weitem nicht reiche, sei viel zusätzliches ehrenamtliches Engagement notwendig.
Dietz lobte die „wichtige gesellschaftliche Funktion“ des Frauen-Notrufs. Mit seiner Tätigkeit unterbreche er die „Gewaltkette“ im häuslichen Bereich, die durch Weitergabe an die nächste Generation aus Mädchen und Jungen neue Opfer und neue Täter mache. Dank der Arbeit des Frauen-Notrufs sei in einzelnen Fällen eine Wiedereingliederung der Frauen in den Beruf möglich gewesen, betonte Dietz.
Im Landtag wolle er sich dafür einsetzen, dass der Schutz vor Gewalt an Frauen und Mädchen auch auf Landesebene weiter gefördert und thematisiert werde. In seiner Eigenschaft als Fraktionsvorsitzender der CDU Bad Nauheim, versprach Klaus Dietz, wolle er zudem dafür Sorge tragen, dass künftig auch die Stadt Bad Nauheim einen finanziellen Beitrag zur Finanzierung des Frauen-Notrufs für den Wetteraukreis leiste.