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Frauennotruf

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Gegen viele Vorurteile und Tabus gekämpft

 

Frauennotruf  Wetterau besteht seit 20 Jahren –Sitz in Nidda – Mit  Veranstaltungen um Unterstützung werben

Nidda (em) „ Familienstreit ist eine Privatsache“ „ Bei uns auf dem Land gibt es keine Gewalt in Familien.“ Es gab viele Vorurteile  und Tabus gegen die der Frauennotruf Wetterau anfangs kämpfen musste. 1988 kam es auf Initiative von fünf Frauen zu einem Treffen, bei dem sich 88 Teilnehmerinnen als Gründungsmitglieder eintrugen. Der Verein wurde vom Amtsgericht  als gemeinnützig anerkannt.

Die Pionierphase verlangte den durchweg Ehrenamtlichen viel Einsatz ab. Frauen und Kinder mussten rasch untergebracht werden, da sie in ihren Wohnungen akut bedroht waren. Sie brauchten Hilfe bei Behördengängen, beim Aufbau einer neuen Lebensperspektive, bei vielen praktischen Details wie Unterhalt, Wiedereinstieg  in den Beruf, Betreuung der Kinder. Vielleicht das Wichtigste: sie brauchten eine mitfühlende Dialogpartnerin zum Aufarbeiten dessen, was sie an Angst, Demütigungen und Verzweiflung bis dahin erlebt hatten.

Dass es hier Rat und Hilfe gab, sprach sich rasch herum und die Notruf-Engagierten wurden und werden mit schweren Konfliktsituationen konfrontiert: Frauen berichten von häuslicher Gewalt, versuchter oder vollendeter Vergewaltigung, sexueller Belästigung, körperlicher, verbaler oder schriftlicher Bedrohung, Körperverletzungen hin bis zu Mordversuchen. Um effektiv helfen zu können, baute man schrittweise die Zusammenarbeit mit dem Wetterauer Frauenhaus, mit Beratungsstellen wie Wildwasser, mit Ärztinnen und Behörden, anderen sozialen Einrichtungen, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband und mit der Polizei auf. Von Beginn an war klar, dass die Einrichtung in ihrer Beratungsstelle wie auch bei Außenkontakten  den betroffenen Frauen und Kindern einen Schutzraum anbieten musste. So waren Frauenparteilichkeit und Verschwiegenheit von Anfang an Grundsätze der Arbeit.

Auf die Dauer konnte solche umfangreiche Arbeit nicht von Ehrenamtlichen alleine geleistet werden, sondern brauchte professionelle Kräfte. Bis heute aber sind die Vereinsmitglieder, der hilfsbereite Freundeskreis, den die Einrichtung sich erworben hat, für die Aufgaben unverzichtbar, Ebenso musste ein tragfähiges Finanzierungskonzept gefunden werden. Das bedeutete Überzeugungsarbeit beim Kreis, bei den Wetterauer Komunen.1990 konnte eine ABM Kraft eingestellt werden. Man konnte Räume in Borsdorf anmieten, wechselte aber 1994 nach Nidda in die Schillerstrasse, wo die Stadt eine Wohnung zur kostenlosen Nutzung überließ.

Die Mitglieder renovierten sie in Eigenleistung. Die Unterstützung durch die Stadt Nidda ist geblieben. Seit 1997 hat der Frauennotruf Räume  im Bereich „Hinter dem Brauhaus“. Dazu Ulla Seipel und Christa Mansky, die beiden hauptamtlichen Kräfte:“ Die Wohnung ist gut geeignet. Ein Raum ist groß genug selbst für kleine Gruppentreffen, ein Büro ist vorhanden und die Atmosphäre der Wohnung ist hell und freundlich – wichtig für Frauen, die verstört und traumatisiert  zu uns kommen.“ Der Geldmangel allerdings ist ein treuer Begleiter des Frauen-Notrufes geblieben. Mehrere Mittelkürzungen erschweren die Arbeit. Noch heute benutzen die beiden Notrufangestellten ihre Privat-Pkws und kommen auch oftmals selber für die Benzinkosten auf. Inzwischen ist der Finanzierungsanteil des Wetteraukreise zwar kontinuierlich, aber die einzelnen Kommunen tragen in unterschiedlicher Höhe zum Haushalt bei - ein ständiger Unsicherheitsfaktor.

Die gezielte Öffentlichkeitsarbeit hat  sich bewährt. Christa Mansky und Ulla Seipel werden von Kirchengemeinden, Landfrauenvereinen und ähnlichen Gruppierungen eingeladen. Von dort fließen auch manchmal Spenden in die Arbeit. Dankbar ist man für die gute Zusammenarbeit  mit allen politischen Parteien und mit all denen, die den Frauen-Notruf bisher unterstützt und begleitet haben. Der Wunsch ein eigenes Frauenhaus oder eine Zufluchtswohnung im Ostkreis zu haben,  hat  sich allerdings nicht realisieren lassen. Durch Außenstellen in Karben und Büdingen versucht man aber, Frauen in Not möglichst nahe Hilfe anzubieten.

Dass vor einigen Jahren die Bundesvereinigung Frauen-Notruf ihr Jahrestreffen in Bad Salzhausen abhielt, zeigt  produktive Vernetzung auf örtlicher, regionaler und nationaler Ebene. Über die Arbeit im Einzelfall hinaus setzt man präventive Akzente, organisiert mit anderen Institutionen  zusammen Selbstverteidigungskurse für Frauen und Mädchen, informiert  über Hilfen wie das Opferschutzgesetz, hat einen Fragebogen für Ärztinnen und Ärzte erarbeitet.

 Im Jubiläumsjahr will der Frauen-Notruf mit etlichen Veranstaltungen um Unterstützung für die Arbeit werben und dazu beitragen, dass Gewalt an Frauen und Kindern immer mehr aus dem Tabu-Bereich rückt und die Öffentlichkeit dagegen Stellung bezieht.

Kreis-Anzeiger, 18.04.2008

Zwei Jahrzehnte engagierte Arbeit

Frauen-Notruf besteht seit 20 Jahren – Telefonaktion in KA-Redaktion mit Rechtsanwältin und Kriminalhauptkommissar

Nidda (em). 20 Jahre engagierte Arbeit, ein gutes Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamtlichen, wachsende Anerkennung durch die Öffentlichkeit – beginnt der Frauen-Notruf Wetterau in seinem Jubiläumsjahr womöglich „überflüssig“ zu werden? Ist Gewalt gegen Frauen und Kinder im Abnehmen begriffen? Leider nein – nach wie vor ist das „Recht des Stärkeren“ in Familien ein Thema und das durchaus nicht nur bei Randgruppen.

Nach wie vor suchen geschlagene, verängstigte Frauen in der Niddaer Einrichtung Rat, kommen aber auch, wenn sie in ihrer Not den Wendepunkt gefunden haben: „Ich stehe mit dem Rücken zur Wand, so kann es nicht mehr weitergehen. Egal, wie schwer der Neubeginn wird – ich muss den Schlussstrich ziehen.“ Gewalt kann viele Gesichter haben – so werden Terrorformen heute mehr wahrgenommen, die es wohl schon immer gegeben hat. Dazu gehören etwa – von der Öffentlichkeit noch kaum gesehen – körperlicher und seelischer Druck in Partnerbeziehungen im Seniorenalter. Gerade diesen Betroffenen fällt es nicht leicht, Hilfe zu suchen. Zu sehr fühlen sie sich verpflichtet, nach außen hin Harmonie zu zeigen.

Ist „nur“ Psychoterror weniger schlimm als Schläge? Mag sein, aber die Folgen sind so zerstörerisch wie bei körperlicher Gewalt. Und hier wie dort ist es meist eine ganze Verflechtung von Problemen, die mit Patentrezepten („Das würde ich mir einfach nicht gefallen lassen“) nicht zur lösen sind: wirtschaftliche Abhängigkeit vom Partner, gemeinsame Kinder, mangelnde Hilfe aus dem Umfeld, die Frage „Wo soll ich hingehen, wenn ich ihn verlasse, woher bekomme ich Arbeit wie bringe ich die Kinder unter, während ich berufstätig  bin?“ und vieles andere mehr.

Stalking, das Belästigen, Verfolgen, Bedrohen der vertrauten Partnerin wie auch gelegentlich unbekannter Frauen, ist ein wachsendes Problem. Telefonanrufe rund um die Uhr mit Kontrolle, Drohungen oder auch sexuelle Anmache, Belagern der Wohnung des Opfers, handgreifliche Übergriffe können Frauen das Leben zur Hölle machen. Hier haben die Notruf-Mitarbeiterinnen die Aufgabe, die Betroffene zu bestärken, sich rechtzeitig über rechtliche und soziale Schutzmöglichkeiten zu informieren, sie bei Behördenkontakten zu unterstützen. Bundesweit sind sich die Notruf-Einrichtungen einig: Hier sollte die Justiz häufiger und konsequenter eingreifen, so dass es für den Täter zu richterlichen Auflagen des Distanzhaltens kommt und seine Übergriffe strafrechtlich verfolgt werden.

Immer noch aktuell sind Vergewaltigungen, sei es durch Fremdtäter, sei es im eignen Umfeld. Hier ist das Notruf-Team besonders gefragt, der erschütterten und traumatisierten Frau zur Seite zu stehen, sie bei allen rechtlichen Auseinandersetzungen zu unterstützen und ihr zu helfen, das Erlebte zu verarbeiten. Schockierend ist für die Notruf-Mitarbeiterinnen die Beobachtung, dass es neue, perfidere Formen des Übergriffes gibt. Immer öfter kommt es auf Festen, in Gaststätten vor, dass eine Frau in einem unbeobachteten Moment so genannte K.O.-Tropfen ins Getränk geschüttet bekommt und dann vergewaltigt wird. Hinterher hat sie keine klare Erinnerung, was passiert ist. Wenn ein potenzielles Opfer eine solche Straftat vermutet, ist die Kontaktaufnahme mit dem Frauen-Notruf auf jeden Fall sinnvoll. Hier kann Erinnerungsarbeit geleistet werden, die Frau an Stellen weiter verwiesen werden, die den Einsatz solcher Tropfen eventuell nachweisen können.

Betroffene jeden Alters und jeder sozialen Schicht suchen Hilfe beim Frauen-Notruf. So muss dessen Beratungsarbeit immer vernetzt sein. Die Haupt- und Ehrenamtlichen, die mit dem Wetterauer Frauenhaus, mit Beratungsstellen wie Wildwasser, mit Ärztinnen, Behörden anderen sozialen Einrichtungen, dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband zusammenarbeiten, haben auch Kontakte zur Polizei. „Unsere Arbeit ist nicht leicht, wir werden mit sehr viel Not konfrontiert“, betonen die Frauen-Notruf-Mitarbeiterinnen Christa Mansky , Ulla Seipel und ihre neue Kollegin Sandra Bundt. „Aber wir merken immer mehr, dass sich die Netzwerke bewähren, dass es in der Zusammenarbeit leichter ist, Frauen den Start in eine neue gewaltfreie Lebenssituation zu erleichtern.“ Fortschritte sehen die Notruf-Aktiven in der wachsenden Sensibilität der Öffentlichkeit. Auch der Druck von Familien und Freunden, Gewalt zu ertragen, um nach außen hin eine heile Welt zu zeigen („Was sagen denn die Leute, wenn Du Deinen Mann verlässt?“), ist im Abnehmen begriffen. Begrüßt wird vom Notruf-Team das 2002 in Kraft getretene Gewaltschutzgesetz, das es der Polizei ermöglicht, gewalttätige Männer aus der gemeinsamen Wohnung zu verweisen und Annährungsverbote auszusprechen. Per Gerichtsentscheid gelingt es manchmal, Frauen und Kindern durch Zuweisung die bisherige Wohnung und damit das Lebensumfeld zu erhalten.

Fazit der Aktiven im Verein Frauen-Notruf Wetterau: „Gewalt ist kein unabwendbares Schicksal. Wir erleben doch häufig, wie Frauen mit Ihren Kindern sich der Gewaltsituation entziehen, eine neue Lebensperspektive aufbauen, zu Selbstbewusstsein und Würde finden – das bestärkt uns, dass unsere Arbeit unverzichtbar ist.“

Telefonaktion

Am kommenden Samstag, 30. August, gibt es von 11 bis Uhr in der Kreis-Anzeiger-Redaktion eine Telefonaktion. Christa Mansky wird als langjährige Mitarbeiterin des Frauen-Notrufs praktische Fragen beantworten: Wie kann ich mich und meine Kinder vor häuslicher Gewalt schützen, welche gesetzlichen Hilfen gibt es? Wie komme ich von einem gewalttätigen Partner los, von dem ich wirtschaftlich abhängig bin? Renate Bernatzki-Schultz, Rechtsanwältin aus Büdingen mit Fachschwerpunkt Familienrecht, ist Ansprechpartnerin für alle relevanten Aspekte aus dem Familien-, Sorge- und Unterhaltsrecht sowie für das Gewaltschutzgesetz. Kriminalhauptkommissar Günter Volp ist im Wetteraukreis Koordinator für die Bearbeitung von Delikten der häuslichen Gewalt. Selbstverständlich behandeln die Ansprechpartner Christa Mansky , Renate Bernatzki-Schultz und Günter Volp die Fragen vertraulich. Auch besteht die Möglichkeit, anonym anzurufen. Das Beratungstelefon hat die Nummer 06043/502-24

Beteiligung des Frauen-Notrufs

Nidda (pd). Auch der Frauen-Notruf Wetterau ist am morgigen Sonntag, 24. August, bei der Brückenrallye ab mit einem Informationsstand vertreten. Auf dem Bürgersteig an der Brücke „Neue Straße“ haben die Besucher die Möglichkeit, sich mit einem Foto und einem Statement zu dem Motto der landesweiten Aktion „Den richtigen Standpunkt gegen Gewalt“ zu beteiligen. Die Totos werden im Rahmen einer Ausstellung vom 1. September bis 2. Oktober zu sehen sein.

Kreis-Anzeiger, Samstag, 23. August 2008

 

Häusliche Gewalt: Wie sich Frauen schützen können

Telefonaktion anlässlich 20 Jahre Frauen-Notruf Wetterau

Nidda(KA). Seit 20 Jahren arbeitet der Frauen-Notruf Wetterau als Beratungsstelle für Frauen und Mädchen, die von körperlicher, seelischer und sexualisierter Gewalt betroffen sind. Dieser Jahrestag des Bestehens ist für alle Haupt- und Ehrenamtlichen ein Anlass, noch stärker auf die Probleme der Betroffenen hinzuweisen, deren Schutz einzufordern und die Öffentlichkeit über die Arbeit zu informieren. Daher wird es am kommenden Samstag,

30. August, von 11 bis Uhr in der Kreis-Anzeiger-Redaktion eine Telefonaktion geben.

Kompetente Ansprechpartner werden am Hörer bereit sein. Christa Mansky als langjährige Mitarbeiterin des Frauen-Notrufs wird ganz praktische Fragen beantworten: Wie kann ich mich und meine Kinder vor häuslicher Gewalt schützen, welche gesetzlichen Hilfen gibt es? Wie komme ich von einem gewalttätigen Partner los, von dem ich wirtschaftlich abhängig bin? Ich bin vergewaltigt worden – was soll ich tun?

Renate Bernatzki-Schultz, Rechtsanwältin aus Büdingen mit dem Fachschwerpunkt Familienrecht, zugelassen beim Oberlandesgericht Frankfurt, ist Ansprechpartnerin für alle relevanten Aspekte aus dem Familien-, Sorge- und Unterhaltsrecht sowie für das Gewaltschutzgesetz. Kriminalhauptkommissar Günter Volp ist im Wetteraukreis Koordinator für die Bearbeitung von Delikten der häuslichen Gewalt.

 

Nicht nur selbst von Gewalt Betroffene können diese Chance fachlicher Beratung nutzen. Auch Personen ihres Umfelds – Verwandte, Freunde, Nachbarn – können sich hier Rat holen, wie sie Gewaltopfer begleiten und unterstützen können. Ebenso können sich interessierte Bürger über die Arbeit des Frauen-Notrufs Wetterau informieren. Selbstverständlich behandeln Christa Mansky , Renate Bernatzki-Schulz und Günter Volp die Fragen vertraulich und stehen unter Schweigepflicht. Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit, anonym anzurufen. Das Beratungstelefon in der Redaktion des Kreis-Anzeigers hat die Nummer 06043/502-24

 

Kreisanzeiger 27.08.2008

 

 

Viele hilfreiche Informationen aus erster Hand

Rechtsanwältin, Notruf-Mitarbeiterin und Kriminalhauptkommissar standen am Kreis-Anzeiger-Telefon Betroffenen Rede und Antwort

Nidda (em). Drei Fachleute an einem Tisch und die Chance, vertraulich oder auch anonym das Problem vorzutragen – die Telefonaktion des Frauen-Notrufes und des Kreis-Anzeigers war passgenau auf die Zielgruppe zugeschnitten. Hier konnten Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, auf niedrigschwelligste Weise erste Informationen für einen Ausweg bekommen.

Auch für Personen aus dem Umfeld Betroffener gab es Hinweise auf Unterstützungsmöglichkeiten in der Wetterau oder ein generelles Bild von der Arbeit des Frauen-Notrufes. Dabei wurde deutlich, dass in jahrelanger Arbeit Netzwerke entstanden sind, die den gesetzlichen Schutz durch die ebenso wichtigen Faktoren Beratung und psychosoziale Begleitung ergänzen.

 

Für Erstinformationen zu rechtlichen Fragen saß Renate Bernatzki-Schultz, Rechtsanwältin aus Büdingen, zugelassen beim Oberlandesgericht Frankfurt, als Ansprechpartnerin für alle relevanten Aspekte aus dem Familien-, Sorge- und Unterhaltsrecht sowie aus dem Gewaltschutzgesetz am Telefon. Weitere Informanten waren Christa Mansky , Soziologin und langjährige Mitarbeiterin Notruf-Mitarbeiterin, und Günter Volp, Kriminalhauptkommissar und im Wetteraukreis und im Wetteraukreis Koordinator für die Bearbeitung von Delikten der häuslichen Gewalt. Beide konnten von einem Wetterauer Arbeitskreis zu diesem Thema berichten, der turnusmäßig zusammen kommt, um Hilfsstrategien abzustimmen. Neben frauenparteilichen Institutionen wie dem Frauenzentrum in Friedberg, dem Notruf und anderen mehr sind dabei auch durch Günter Volp die Wetterauer Polizei, das Jugendamt, der Fachdienst „Frauen und Chancengleichheit“ des Kreises und die Evangelische Familienbildungsstätte vertreten. So sind die Mitglieder ständig über die Möglichkeiten von Nachbarinstitutionen informiert, wie es denn auch in allen Revieren der Wetterauer Polizei einen Schabearbeiter gibt, der speziell für die Bearbeitung von häuslichen Gewaltdelikten geschult ist.

Ganz gleich, ob eine Frau ständig von einem gewalttätigen Partner misshandelt wird oder ob es nach schwelenden Konflikten zu einem Ausbruch kommt – wenn endlich die Polizei zu Hilfe gerufen wird, ist die Betroffene erschüttert, unter Schock, oft momentan gar nicht zu einer klaren Planung fähig. „Deeskalation, Distanz zwischen dem gewalttätigen Partner und seinem Opfer, ist der erste Schritt, wenn wir eingreifen“, betont Günter Volp. Die Polizei hat die Möglichkeit, den Aggressor für 14 Tage aus der gemeinsamen Wohnung zu verweisen, eventuell kann dies noch einmal um den selben Zeitraum verlängert werden. Aber das ist gewissermaßen eine Erste-Hilfe-Maßnahme. Wie soll es weitergehen? Gemeinsam haben die Hilfsinstitutionen den so genannten proaktiven Ansatz entwickelt: Wenn die Frau dies ausdrücklich wünscht, benachrichtigt der beteiligte Polizeibeamte das Notruf-Team oder das Frauenhaus, so dass diese von sich aus auf die Frau zukommen.

„Trennungen sind die gefährlichsten Phasen für eine Frau“, betonten die drei Fachleute. Sei es aus verzweifeltem Festhalten-wollen, sei es aus Machtansprüchen („Wenn ich sie nicht haben kann, soll sie auch kein anderer haben!“) kann es zu Gewaltausbrüchen kommen. Aber auch das schleichende so genannte Stalking mit Telefonterror rund um die Uhr, ständigen Verfolgungen und Drohungen bis zum akuten Angriff stellt einen immensen psychischen druck für die Frau dar – ganz gleich ob es der Expartner oder ein Mann aus dem Umfeld ist. Einfach nur aussitzen? Das ist für das Opfer unerträglich und kann den Täter in seinem Machtrausch noch bestärken. Hier wie bei anderen häuslichen Gewaltdelikten rät Renate Bernatzky-Schultz dazu, durch Gedächtnisprotokolle, eventuell ärztliche Atteste, Zeugenaussagen von Nachbarn, Verwandten oder Freunden eine klare Beweislage zu schaffen. Das erleichtert den Gerichten die Einschätzung der Straftat. Auch die Polizei kann mit einer so genannten Gefährder-Ansprache aufsuchend tätig werden, indem sie den Täter auf das Ungesetzliche seines Tuns und die strafrechtlichen Folgen hinweist. Renate Bernatzki-Schultz skizzierte daneben die Möglichkeiten des Gewaltschutzgesetzes und des Bürgerlichen Gesetzbuches hin: der Täter kann vom Gericht für dauernd aus der gemeinsamen Wohnung verwiesen werden, das weitere Wohnrecht wird dann der Frau und ihren Kindern zugesprochen. Auch zivilrechtliche Schritte, etwa das Einklagen von Schmerzensgeld, sind denkbar.

Gewaltopfer können auf vielfache Art und Weise verletzt sein. Das reicht von Trauer über die gescheiterte Beziehung, von der Verarbeitung des Schocks über mögliche psychosomatische Probleme bis zur Frage: „Wie ist mein Lebensunterhalt gesichert? Wie kann ich mit den Kindern eine neue Lebensperspektive finden?“ Ansprechpartnerinnen für die Aufarbeitung von Schock und Trauer bis hin zur Klärung lebenspraktischer Fragen sind die Notruf-Mitarbeiterinnen.

Hintergrund:

Im September 2004 gab das Bundesfamilienministerium die erste repräsentative Studie zur Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland heraus. Diese bestätigt die schon weit länger von der Frauenbewegung vermuteten Sachverhalte: Jede zweite oder dritte Frau erlebt körperliche und /oder sexualisierte Gewalt in ihrem Erwachsenenleben durch eine bekannte oder unbekannte Person, jede vierte Frau durch ihren aktuellen oder früheren Lebenspartner. Ebenso viele geben an, psychische Gewalt erlebt zu haben. Nur in Randgruppen? Gewalt gegen Frauen gibt es in allen Schichten. Einmaliger Ausrutscher? Leider zeigt die Studie, dass Gewalt in Paarbeziehungen mit zunehmender Dauer meist an Intensität und Häufigkeit zunimmt. Das kann auch früh betroffene Kinder als Opfer gelten. Alle Formen von Gewalt führen in einem hohen Maß zu psychischen Folgebeschwerden wie Schlafstörungen, erhöhter Angstbereitschaft, Depressionen, Suizidgedanken, Selbstverletzung oder Essstörungen. Kinder können Verhaltensstörungen von der Angstsymtomatik bis zu fixiertem aggressivem Verhalten entwickeln. Viele Straftaten aus diesem Bereich beleiben im Dunkeln, weil die Opfer aus Angst oder Scham eine Anzeige scheuen.

Ganz klar betont die Studie des Ministeriums abschließend, dass ein breites Angebot

niedrigschwelliger Hilfen nötig ist und den Frauen den Aufbau einer neuen gewaltfreien Lebenssituation immens erleichtert.

Dieser Aufgabe fühlt sich der Frauen-Notruf mit seinen Haupt- und Ehrenamtlichen seit zwei Jahrzehnten verpflichtet. So wurden allein im vergangenen Jahr 184 Frauen beraten und viele über ein Informationsgespräch hinaus lange Monate psychosozial begleitet. (em)

 

Kreis-Anzeiger, Montag, 1. September.2008

 

„ Gewalt ist kein unabwendbares Schicksal“

Frauen-Notruf Wetterau besteht seit 20 Jahren – Wachsendes Problem: Stalking der vertrauten Partnerin – Schläge schlimmer als Psychoterror?

 

Wetteraukreis (ema). 20 Jahre engagierter Arbeit, ein gutes Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamtlichen, wachsende Anerkennung durch die Öffentlichkeit – beginnt der Frauen-Notruf Wetterau in seinem Jubiläumsjahr womöglich „überflüssig“ zu werden? Ist Gewalt gegen Frauen und Kinder im Abnehmen begriffen? Leider nein. Nach wie vor ist das „Recht des Stärkeren“ in Familien ein Thema und das nicht nur bei Randgruppen. Nach wie vor suchen geschlagene, verängstigte Frauen in der Niddaer Einrichtung, in ihren Außenstellen Büdingen und Karben Rat kommen aber auch, wenn sie in ihrer Not den Wendepunkt gefunden haben: „So kann es nicht mehr weitergehen. Egal, wie schwer der Neubeginn wird: Ich muss den Schlussstrich ziehen.“

Gewalt kann viele Gesichter haben. So werden Terrorformen heute mehr wahrgenommen, die es wohl schon immer gegeben hat. Dazu gehört auch, von der Öffentlichkeit noch kaum gesehen, körperlicher und seelischer Druck in Partnerbeziehungen im Seniorenalter. Gerade diesen Betroffenen fällt es nicht leicht, Hilfe zu suchen. Zu sehr fühlen sie sich verpflichtet, nach außen hin Harmonie zu zeigen.

Ist „nur“ Psychoterror weniger schlimm als Schläge? Mag sein, aber die Folgen sind so zerstörerisch wie bei körperlicher Gewalt. Und hier wie dort ist es meist eine ganze Verflechtung von Problemen, die mit Patentrezepten („Das würde ich mir nicht gefallen lassen“) nicht zur lösen sind: wirtschaftliche Abhängigkeit vom Partner, gemeinsame Kinder, mangelnde Hilfe aus dem Umfeld, die Frage „Wo soll ich hingehen, wenn ich ihn verlasse. Woher bekomme ich Arbeit? Wie bringe ich die Kinder unter, während ich berufstätig  bin?“ und vieles andere mehr.

Stalking, das Belästigen, Verfolgen, Bedrohen der vertrauten Partnerin wie auch gelegentlich unbekannter Frauen, ist ein wachsendes Problem. Telefonanrufe rund um die Uhr mit Kontrolle, Drohungen oder auch sexuelle Anmache, Belagern der Wohnung des Opfers, handgreifliche Übergriffe können Frauen das Leben zur Hölle machen. Hier haben die Notruf-Mitarbeiterinnen die Aufgabe, die Betroffene zu bestärken, sie über rechtliche und soziale Schutzmöglichkeiten zu informieren, sie bei Behördenkontakten zu unterstützen. Bundesweit sind sich die Notruf-Einrichtungen einig: Hier sollte die Justiz häufiger und konsequenter eingreifen, so dass es für den Täter zu richterlichen Auflagen kommt und seine Übergriffe strafrechtlich verfolgt werden.

 

Öffentlichkeit wird sensibler

Leider immer noch aktuell sind Vergewaltigungen, sei es durch Fremdtäter, sei es im eignen Umfeld. Hier ist das Notruf-Team besonders gefragt, der erschütterten und traumatisierten Frau zur Seite zu stehen, sie bei allen rechtlichen Auseinandersetzungen zu unterstützen und ihr zu helfen, das Erlebte zu verarbeiten. Schockierend ist für die Notruf-Mitarbeiterinnen die Beobachtung, dass es neue, perfidere Formen des Übergriffes gibt. Immer öfter kommt es auf Festen und in Gaststätten vor, dass eine Frau in einem unbeobachteten Moment K.o.-Tropfen ins Getränk geschüttet bekommt und in Widerstandsunfähigkeit vergewaltigt wird. Hinterher hat sie keine klare Erinnerung, was passiert ist. Wenn ein potenzielles Opfer eine solche Straftat vermutet, ist die Kontaktaufnahme mit dem Frauen-Notruf auf jeden Fall sinnvoll. Hier kann Erinnerungsarbeit geleistet werden, die Frau an Stellen weiter verwiesen werden, die den Einsatz solcher Tropfen eventuell nachweisen können.

Betroffene jeden Alters und jeder sozialen Schicht suchen Hilfe beim Frauen-Notruf. So muss dessen Beratungsarbeit immer vernetzt sein. Die Haupt- und Ehrenamtlichen arbeiten mit dem Wetterauer Frauenhaus, mit Beratungsstellen wie Wildwasser, mit Ärztinnen, Behörden anderen sozialen Einrichtungen sowie dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband zusammen und haben auch Kontakte zur Polizei. „Unsere Arbeit ist nicht leicht, wir werden mit sehr viel Not konfrontiert“, betonen die Frauen-Notruf-Mitarbeiterinnen Christa Mansky , Ulla Seipel und ihre neue Kollegin Sandra Bundt. „Aber wir merken, dass sich die Netzwerke bewähren, dass es in der Zusammenarbeit leichter ist, Frauen den Start in eine neue gewaltfreie Lebenssituation zu erleichtern.“

Fortschritte sehen die Notruf-Aktiven in der wachsenden Sensibilität der Öffentlichkeit. Auch der Druck von Familien und Freunden, Gewalt zu ertragen, um nach außen hin eine heile Welt zu zeigen („Was sagen denn die Leute, wenn Du Deinen Mann verlässt?“), ist im Abnehmen begriffen. Begrüßt wird vom Notruf-Team das 2002 in Kraft getretene Gewaltschutzgesetz, das es der Polizei ermöglicht, gewalttätige Männer aus der gemeinsamen Wohnung zu verweisen und Annährungsverbote auszusprechen. Per Gerichtsentscheid gelingt es manchmal, Frauen und Kindern durch Zuweisung die bisherige Wohnung und damit das Lebensumfeld zu erhalten.

Fazit der Aktiven im Verein Frauen-Notruf Wetterau: „Gewalt ist kein unabwendbares Schicksal. Wir erleben häufig, wie Frauen mit Ihren Kindern sich der Gewaltsituation entziehen, eine neue Lebensperspektive aufbauen, zu Selbstbewusstsein und Würde finden. Das bestärkt uns und zeigt, dass unsere Arbeit unverzichtbar ist.“

 

Wetterauer Zeitung, 03.09.2008

 

 

Im Wetteraukreis mehr als 200 Standpunktefotos

Ausstellung des Frauen-Notrufs wird am Montag eröffnet

 

Nidda (em). „Nicht das Opfer muss sich schämen, sondern der Täter“ – so lautet das Motto der Ausstellung „Standpunkte gegen Gewalt – Die Kampagne im Wetteraukreis“. Zur Eröffnung lädt der Frauen-Notruf Wetterau für kommenden Montag, 15. September, ab in das Kompetenz-Centrum der Sparkasse Oberhessen in der Bahnhofstraße ein. Dort wird die Ausstellung bis zum 2. Oktober zu sehen sein. Christa Mansky vom Notruf-Team wird in das Thema einführen.

Im März 2007 begann eine bundesweite Kampagne, ein jetzt noch laufendes „Mitmachprojekt“, bei dem Politiker und Prominente ebenso wie die Bürger der jeweiligen Orte die Möglichkeit haben, ihre Haltung zum Thema Gewalt gegen Frauen, ganz gleich ob körperlicher oder seelischer Art, zu zeigen. Mit ihren „Standpunkten“ treten sie öffentlich und medienwirksam gegen solche Gewalttaten ein. Es wird angestrebt, bei Fachleuten und Politikern Sensibilität für die Brisanz des Themas zu wecken und eine möglichst hohe Medienaufmerksamkeit zu erreichen. Betroffene Frauen und ihr Umfeld werden informiert und gleichzeitig ermutigt, sich Unterstützung und Hilfe zu holen. Angebote durch entsprechende Beratungsstellen werden aufgezeigt. So sind bundesweit fast 3 000 Standpunktefotos entstanden.

Auch im Wetteraukreis haben Persönlichkeiten aus der Politik und dem öffentlichen Leben wie auch die Bevölkerung mit großem Engagement Stellung bezogen. Standpunkte wurden nicht nur zur Gewalt gegen Frauen, sondern auch zur Gewalt gegen Kinder eingenommen. Insgesamt sind weit mehr als 200 Fotos entstanden. Aktionsorte waren beispielsweise der Familientag in Karben, der Tag der offenen Tür im Dienstleistungszentrum des Wetteraukreises in Friedberg, im Jugendbahnhof Butzbach mit verschiedenen Schulklassen und in Nidda im Rahmen der Stadt-Olympiade.

 

Kreisanzeiger 13.09.2008

 

 

„Einzigartig und unverzichtbar“

Festakt zum 20-jährigen Bestehen des Frauen-Notrufs

BAD SALZHAUSEN (em). Salzhausens Parksaal bot den festlichen Rahmen für den Festakt zum 20-jährigen Bestehen des Frauen-Notrufs Wetterau. Über 100 Gäste konnte Vorstandsmitglied Cornelia Stein begrüßen.

Sie erinnerte an die Anfänge des Notrufs als Frauenberatungsstelle gegen Gewalt, an den Ausbau als Teil eines Netzwerkes gegen patriarchale Ungerechtigkeit. Gleichzeitig warf sie ein Schlaglicht frauenfreundlicher Entwicklungen: Gewerkschaftskampagnen unter dem  Motto „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, gesetzliche Verbesserungen, die durch den Einsatz von Juristinnen und Politikerinnen zustande kamen, den Wandel des Frauenbildes in der Gesellschaft bis hin zu den Schulbüchern. Die BRD als beste aller Frauen-Welten? Realistisch erinnerte Stein an Ergebnisse aus einer Studie des Bundesfamilienministeriums: 42 Prozent aller Frauen berichten, schon einmal psychischer Gewalt ausgesetzt gewesen zu sein, 40 Prozent aller über 16-jährigen haben schon einmal körperliche Gewalt erfahren. Insgesamt liegt das Einkommen von Frauen um 25 Prozent unter dem der Männer. Im Niedriglohnsektor gibt es weitaus mehr Arbeitnehmerinnen als Arbeitnehmer, allein erziehende Mütter sind benachteiligt, ebenso Migrantinnen. Da war es nicht verwunderlich, dass Stein ein ebenso kurzes wie überzeugendes Fazit zog: „Der Notruf  hat viele Frauen auf dem Weg aus der Gewalt heraus begleiten können. Feiern? – Weitermachen!“

Die Grüße Landrat Joachim Arnolds und der Kreisgremien überbrachte die Kreisbeigeordnete Edda Weber: „Ich bin sehr froh, dass der Wetteraukreis und insbesondere der ehemalige Landrat Rolf Gnadl sich in besonderem Maß für die Frauenprojekte im Kreis eingesetzt hat.“ Dabei nannte sie auch die Stadt Nidda, die der Institution kostenlos Räume zur Verfügung stellte, lobte das produktive Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen und schloss sich mit Dankesworten an alle Frauen, die sich früher oder aktuell in der Notruf-Arbeit engagierten. Die Grüße der Wetterauer Frauenbeauftragten Beate Herzog und des Fachdienstes für Frauen und Chancengleichheit überbrachte Hanne Battenhausen. „Der Frauen-Notruf ist einzigartig und unverzichtbar. Hier werden Frauen nicht auf die Opferrolle reduziert, sondern gestärkt.“ Gleichzeitig wies sie auf die konstruktive Vernetzung des Notrufs mit anderen Gremien und Einrichtungen hin, zu dem Notruf-Mitarbeiterin Christa Mansky engagiert beiträgt.

„Ich habe dazu gelernt.“ Bürgermeisterin Lucia Puttrich erinnerte an die Anfangszeit der Einrichtung in Borsdorf, als sie wie viele andere der Bewegung eher skeptisch gegenüber stand. Zwischenzeitlich ist eine fast freundschaftliche Beziehung entstanden. Die Bürgermeisterin wünschte „Mut, Tatkraft sowie Hartnäckigkeit“ und hatte als Geschenk die Zusage mitgebracht, dass die Räume auch weiterhin kostenlos genutzt werden können. Von „20 Jahren Lobbyismus für Frauen und Kinder in Not“ sprach Brigitta Nell-Düvel, Kreistagsmitglied der Grünen. Die Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl überbrachte auch die Grüße der SPD-Kreistagsfraktion und der Vorsitzenden Cäcilia Reichert-Dietzel. Sie sprach die Notwendigkeit an, auch die junge Frauengeneration in frauenparteiliche Arbeit wie die des Notrufes einzubeziehen. Es gab Blumen und Spenden für den Notruf. Die wahrscheinlich originellste Unterstützung übergab Dr. Ralf Streum für die Wetterauer Kreisvereinigung des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Er hatte die Geldspende zum Papierflieger gefaltet – als Zeichen gegen „Finanzierungssorgen“ und für Planungssicherheit. ^

 

Kreisanzeiger 13.10.2008

 

Der Frauennotruf wird immer noch gebraucht

Wetterau - Gewalt in Beziehungen hat viele Facetten/Hilfseinrichtung feiert ihr 20-jähriges Bestehen

Von Elfriede Maresch

Der Frauennotruf hat sich nach anfänglicher Skepsis („Bei uns auf dem Land braucht man so was nicht“) Vertrauen und öffentliche Anerkennung erworben, Haupt- und Ehrenamtliche arbeiten gut zusammen und können durch Vernetzung mit anderen Frauenprojekten effektiver helfen. Aber insgeheim hatten die Gründerinnen 1988 gehofft, dass ihr Engagement bald überflüssig würde, weil Gewalt gegen Frauen und Kinder zum gesellschaftlichen Tabu geworden sei.

Ein schöner Traum! Nun ist der Frauennotruf 20 Jahre alt und nötig wie eh und je. Zwar hat die Öffentlichkeitsarbeit Früchte getragen, bei Aktionen wie den Fotoaufnahmen zu „Standpunkte gegen Gewalt“ stellen sich immer mehr Bürgerinnen und Bürger auf die Seite der Betroffenen: „Nicht das Opfer sollte sich schämen, sondern der Täter“: Aber Gewalt in den Beziehungen zwischen Männern und Frauen gibt es immer noch häufig und sie findet immer neue Ausdrucksformen.

Stalking vom Telefonterror bis zu Körperverletzung, Mord, die Betäubung von Frauen mit so genannten K.o. Tropfen und anschließende Vergewaltigung, Gewalt auch in Senioren-Partnerschaften, zählt Angela Wagner von der Koordinierungsstelle für hessische Notrufe auf.

Auch die Statistik des Notrufs zeigt, dass die Einrichtung nicht überflüssig ist: Allein 2007 wurden 184 Frauen beraten – in den meisten Fällen waren auch noch Kindern mitbetroffen -, teils in Einzelgesprächen, teils in einer Langzeitbegleitung mit großem Unterstützungsspektrum: telefonische Beratung, persönliche Gespräche, Krisenintervention, Begleitung bei Anzeigenerstattung, Behördengängen und Gerichtsverfahren, Unterstützung bei der Umsetzung des Gewaltschutzgesetzes. Hanne Battenhausen vom Fachdienst Frauen und Chancengleichheit des Wetteraukreises lobt: „Hier werden Frauen nicht auf die Opferrolle reduziert, sondern gestärkt.“

Zu der Arbeitsbelastung kommen noch die Finanzsorgen des Notrufs. Oft werden Mittel nur zeitgebunden vergeben. Obwohl Frauen aus dem gesamten Wetteraukreis hier Hilfe suchen, beteiligen sich nicht alle Wetterau-Kommunen an der Finanzierung. Vorbildlich ist die Stadt Nidda, die der Einrichtung seit Jahren kostenlos eine geeignete Wohnung zur Verfügung stellt.

Fühlen sich die Notruf-Frauen von den Schwierigkeiten erdrückt? Vorstandsmitglied Cornelia Stein formuliert es kurz und bündig: „Feiern? Weitermachen!“

Gefeiert wurde das 20-jährige Bestehen des Notrufs doch – und zwar mit der Revue „Großmütter, Mütter, Enkelinnen – Frauenbewegung im Zeitraffer“.

 

Frankfurter Rundschau 16.10.2008

 

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