Grüne fordern ausreichende Finanzierung
Mitglieder von Fraktion und Kreisvorstand der Wetterauer Grünen zu Besuch beim Frauen-Notruf in Nidda
NIDDA (pd). Brigitta Nell-Düvel, Kandidatin von Bündnis 90/Die Grünen für die Landratswahl, besuchte mit Mitgliedern der Grünen-Kreistagsfraktion und des Kreisvorstandes den Frauen-Notruf in Nidda. Im Wetteraukreis leben 150 200 Frauen und Mädchen. Der Frauennotruf in Nidda unterstützt und berät seit 20 Jahren Frauen und Mädchen, die von sexueller, physischer und psychischer Gewalt bedroht sind. In der Öffentlichkeit wird es selten diskutiert, obwohl es täglich passiert: Immerhin jede fünfte Frau wird in ihrem Leben einmal Opfer von Vergewaltigung oder sexueller Nötigung, der Täter ist häufig der Partner. Nach den Erfahrungen der Mitarbeiterinnen des Frauen-Notruf ist die Trennungsphase vom bisherigen Lebenspartner für Frauen die gefährlichste Zeit in ihrem Leben. Dann sind sie besonders von körperlicher und seelischer Gewalt bedroht.
Zunehmend beraten die Mitarbeiterinnen in Situationen, bei denen Kinder durch das Erleben von Gewalt bei ihren Eltern beziehungsweise Bezugspersonen traumatisiert werden und dringend therapeutische Unterstützung brauchen. Ansonsten droht Gefahr, dass sie als Erwachsene genauso mit Gewalt reagieren wie sie es selbst erlebt haben.
Seit Januar 2002 schützt das Gewaltschutzgesetz missbrauchte Frauen und Kinder, da seitdem die Täter und nicht die Opfer die Wohnung verlassen müssen. Nach Ansicht des Frauennotrufes wird von Seiten der Justiz an dieser Stelle noch nicht regelhaft mit der notwendigen und schnellstmöglichen Konsequenz reagiert. Immerhin erstattet die Polizei seit 2002 in jedem Fall eine Strafanzeige und setzt sich, wenn das Opfer es will, mit Beratungsstellen wie dem Frauen-Notruf in Verbindung.
Im April 2004 eröffnete das
Brigitta Nell-Düvel, frauenpolitische Sprecherin der Kreistagsfraktion: „Wir sind beeindruckt von dem langjährigen Engagement der Mitarbeiterinnen, den betroffenen Frauen und Kinder direkte pragmatische Unterstützung anzubieten und ihnen neue Perspektiven aufzuzeigen.“ Diese konkrete Hilfe für die betroffenen Frauen in einer traumatischen Situation des Vertrauensbruches und der momentanen Hilflosigkeit sei besonders wertvoll. Mit dieser menschlichen Zuwendung, auch wenn sie institutionalisiert sei, „lindern sie die Schmerzen und erhalten den Opfern die Würde“, so Nell-Düvel. Oft sei eine mehrjährige Begleitung notwendig, die auch den Mitarbeiterinnen persönlich viel abverlange.
„Wir unterstützen nachdrücklich das Anliegen der Mitarbeiterinnen, das Tabuthema ‚Gewalt’ in der Öffentlichkeit zu bringen. Mit unserer Unterstützung verbinden wir die Forderung, dass weiterhin ausreichende finanzielle Mittel vom Land Hessen, vom Wetteraukreis und von den Gemeinden für diese dringend notwendige Arbeit zu Verfügung gestellt werden“, erklärte die Landratskandidatin. Opferschutz ginge jeden etwas an: Gewalt in einer Beziehung oder in der Familie komme leider in allen Schichten der Gesellschaft vor. „Das Tabu bröckelt und das ist im Interesse der Opfer gut so.“ Die Zahl der Anzeigen nehme zu. Das müsse man zum Anlass nehmen, „im Kleinen wie im Großen, zuhause und in der Öffentlichkeit, für ein Klima des partnerschaftlichen Miteinanders zu sorgen.“
Gegen viele Vorurteile und Tabus gekämpft
Nidda (em) „ Familienstreit ist eine Privatsache“ „ Bei uns auf dem Land gibt es keine Gewalt in Familien.“ Es gab viele Vorurteile und Tabus gegen die der Frauennotruf Wetterau anfangs kämpfen musste. 1988 kam es auf Initiative von fünf Frauen zu einem Treffen, bei dem sich 88 Teilnehmerinnen als Gründungsmitglieder eintrugen. Der Verein wurde vom Amtsgericht als gemeinnützig anerkannt.
Die Pionierphase verlangte den durchweg Ehrenamtlichen viel Einsatz ab. Frauen und Kinder mussten rasch untergebracht werden, da sie in ihren Wohnungen akut bedroht waren. Sie brauchten Hilfe bei Behördengängen, beim Aufbau einer neuen Lebensperspektive, bei vielen praktischen Details wie Unterhalt, Wiedereinstieg in den Beruf, Betreuung der Kinder. Vielleicht das Wichtigste: sie brauchten eine mitfühlende Dialogpartnerin zum Aufarbeiten dessen, was sie an Angst, Demütigungen und Verzweiflung bis dahin erlebt hatten.
Dass es hier Rat und Hilfe gab, sprach sich rasch herum und die Notruf-Engagierten wurden und werden mit schweren Konfliktsituationen konfrontiert: Frauen berichten von häuslicher Gewalt, versuchter oder vollendeter Vergewaltigung, sexueller Belästigung, körperlicher, verbaler oder schriftlicher Bedrohung, Körperverletzungen hin bis zu Mordversuchen. Um effektiv helfen zu können, baute man schrittweise die Zusammenarbeit mit dem Wetterauer Frauenhaus, mit Beratungsstellen wie Wildwasser, mit Ärztinnen und Behörden, anderen sozialen Einrichtungen, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband und mit der Polizei auf. Von Beginn an war klar, dass die Einrichtung in ihrer Beratungsstelle wie auch bei Außenkontakten den betroffenen Frauen und Kindern einen Schutzraum anbieten musste. So waren Frauenparteilichkeit und Verschwiegenheit von Anfang an Grundsätze der Arbeit.
Auf die Dauer konnte solche umfangreiche Arbeit nicht von Ehrenamtlichen alleine geleistet werden, sondern brauchte professionelle Kräfte. Bis heute aber sind die Vereinsmitglieder, der hilfsbereite Freundeskreis, den die Einrichtung sich erworben hat, für die Aufgaben unverzichtbar, Ebenso musste ein tragfähiges Finanzierungskonzept gefunden werden. Das bedeutete Überzeugungsarbeit beim Kreis, bei den Wetterauer Komunen.1990 konnte eine ABM Kraft eingestellt werden. Man konnte Räume in Borsdorf anmieten, wechselte aber 1994 nach Nidda in die Schillerstrasse, wo die Stadt eine Wohnung zur kostenlosen Nutzung überließ.
Die Mitglieder renovierten sie in Eigenleistung. Die Unterstützung durch die Stadt Nidda ist geblieben. Seit 1997 hat der Frauennotruf Räume im Bereich „Hinter dem Brauhaus“. Dazu
Die gezielte Öffentlichkeitsarbeit hat sich bewährt. Christa Mansky und
Dass vor einigen Jahren die Bundesvereinigung Frauen-Notruf ihr Jahrestreffen in Bad Salzhausen abhielt, zeigt produktive Vernetzung auf örtlicher, regionaler und nationaler Ebene. Über die Arbeit im Einzelfall hinaus setzt man präventive Akzente, organisiert mit anderen Institutionen zusammen Selbstverteidigungskurse für Frauen und Mädchen, informiert über Hilfen wie das Opferschutzgesetz, hat einen Fragebogen für Ärztinnen und Ärzte erarbeitet.
Im Jubiläumsjahr will der Frauen-Notruf mit etlichen Veranstaltungen um Unterstützung für die Arbeit werben und dazu beitragen, dass Gewalt an Frauen und Kindern immer mehr aus dem Tabu-Bereich rückt und die Öffentlichkeit dagegen Stellung bezieht.
>>Gewalt gegen Frauen ist durch nichts zu rechtfertigen<<
150 >>Standpunktefotos<< sind zurzeit im Bürgerzentrum zu sehen – Reges Interesse am Eröffnungstag – Auch Übergriffe gegen Kinder werden thematisiert
Karben (dit). >>Nicht das Opfer muss sich schämen, sondern der Täter<<, >>Gewalt gegen Frauen ist durch nichts zu rechtfertigen<<, >>Ich stehe nicht auf Gewalt, sondern auf Würde und Respekt für Frauen<<, >>Gewalt gegen Frauen ist niemals Privatsache<< - so oder ähnlich lauten Stellungnahmen von Bürgerinnen und Bürgern, von Vereinen, Kindergärten, Schulen und weiteren Einrichtungen, die im Rahmen der bundesweiten, im Wetteraukreis aufgegriffenen Kampagne >>Der richtige Standpunkt: Gegen Gewalt<< ihrer Auffassung klar und nachdrücklich Ausdruck verliehen haben. Die Aussagen sind festgehalten in Wort und Bild. Allein im Wetteraukreis sind rund 150 Standpunktefotos entstanden. Eine Auswahl der Motive, die unter anderem anlässlich des Familientages 2007 der Stadt Karben auf dem Jukuz-Gelände am Selzerbrunnen aufgenommen wurden, ist derzeit im Bürgerzentrum zu sehen. Zusammengestellt wurde die Exposition von der Arbeitsgemeinschaft (AG) >>Keine Gewalt gegen Frauen und Kinder<<. An der AG sind im Wetteraukreis agierende Frauenhilfeeinrichtungen beteiligt, dazu gehören die Vereine >>Frauen helfen Frauen<< und >>Wildwasser<<, der >>Frauennotruf<<, das >>Frauenzentrum<< sowie der Fachdienst >>Frauen und Chancengleichheit<< des Wetteraukreises.
Anlässlich der Eröffnung, die reges Interesse hervorrief, erklärte Jutta Fenske vom Frauenzentrum, dass die Ausstellung zum einen darauf abziele, auf eine Problematik aufmerksam zu machen, die gerne übersehen und verschwiegen werde. >>Zum anderen erhalten betroffene Frauen durch diese Aktion Informationen, wie und wo sie Hilfe und Unterstützung finden können.<< Gewalt gegen Frauen habe viele Erscheinungsformen, fuhr sie fort. >>Die alltägliche Umgangssprache, die Frauen erniedrigt, oder entwürdigende Darstellungen von Frauen gehören ebenso dazu, wie sexuelle Belästigung, Demütigung, Beleidigung, Bedrohung, Entzug sozialer Kontakte und Stalking. >>Rund 40 Prozent der Frauen in Deutschland seien solche Übergriffe aus eigener Erfahrung bekannt, zu 90 Prozent seien Männer die Täter. Der weitaus größere Teil der Angriffe erfolge im nahen Umfeld, im häuslichen Bereich der Opfer. >>Das erklärt, warum wir relativ wenig darüber informiert sind und unsere Bürgergesellschaft sich schwer damit tut, diese beschämenden Tatsachen zu verändern.<< Laut
Insbesondere mit Blick auf die Kinder und der Intention, ein gutes Netzwerk für diese zu knüpfen, sei unter der Bezeichnung >>Runder Tisch häusliche Gewalt<< eine neue Arbeitsgruppe gegründet worden. >>Noch im August wird sie sich der Öffentlichkeit vorstellen<<, kündigte Schäfer an. Wie Fenske zeigte sei sich angetan davon, dass die aktuelle Ausstellung, die bereits in Friedberg im Dienstleistungszentrum gezeigt wurde und im November in Nidda Station machen wird, bereits am Eröffnungstag in Karben auf große Resonanz stieß. In Anwesenheit zahlreicher Gäste, unter ihnen Stadtverordnetenvorsteherin Ingrid Lenz, die Stadträte Dr. Gerd Rippen und Jochen Schmitt, Vertreter kommunaler Gremien, Mitglieder von Ausländerbeirat, Deutsch-Ausländischem Freundschaftskreis und Präventionskreisen, unterstrich Fenske: >>Wir sind gerne hierher gekommen. Die Stadtverwaltung steht sozialen Problemen offen gegenüber. Es gibt aktive Bürger, die in Vereinen und Institutionen vieles tun, um zu helfen. >>Bürgermeister Roland Schulz, der den in der Kommune engagierten Präventionsgruppen, die sich mit Gewalt auseinandersetzten, ebenfalls Respekt zollte, betonte: >>Ich freue mich, wenn das Bürgerzentrum genutzt wird, um Botschaften zu transportieren. >>Mit der Ausstellung werde ein Thema angesprochen, das ihm sehr am Herzen liege. Gewalt nehme im täglichen Leben einen immer breiteren Raum ein, ob in der Schule, im Straßenverkehr, unter Nachbarn oder in TV-Sendungen. Der seit den 80er-Jahren wachsende Egoismusgedanke habe zunehmender Gewaltbereitschaft den Weg bereitet. Mittlerweile habe sie schaurige Dimensionen angenommen. >>Gewalt gegen Frauen und Kinder ist eine Realität, die es in unserer Gesellschaft gibt und vor der die Gesellschaft die Augen verschließt.<< Es sei unerlässlich, die Problematik publik und damit deutlich zu machen: >>Gewalt ist nirgendwo und niemals eine Lösung<<, so Schulz.
Die Ausstellung verbleibt zwei Wochen lang im Bürgerzentrum und ist während der regulären Öffnungszeiten zugänglich.
Zwei Jahrzehnte engagierte Arbeit
Frauen-Notruf besteht seit 20 Jahren – Telefonaktion in KA-Redaktion mit Rechtsanwältin und Kriminalhauptkommissar
Nidda (em). 20 Jahre engagierte Arbeit, ein gutes Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamtlichen, wachsende Anerkennung durch die Öffentlichkeit – beginnt der Frauen-Notruf Wetterau in seinem Jubiläumsjahr womöglich „überflüssig“ zu werden? Ist Gewalt gegen Frauen und Kinder im Abnehmen begriffen? Leider nein – nach wie vor ist das „Recht des Stärkeren“ in Familien ein Thema und das durchaus nicht nur bei Randgruppen.
Nach wie vor suchen geschlagene, verängstigte Frauen in der Niddaer Einrichtung Rat, kommen aber auch, wenn sie in ihrer Not den Wendepunkt gefunden haben: „Ich stehe mit dem Rücken zur Wand, so kann es nicht mehr weitergehen. Egal, wie schwer der Neubeginn wird – ich muss den Schlussstrich ziehen.“ Gewalt kann viele Gesichter haben – so werden Terrorformen heute mehr wahrgenommen, die es wohl schon immer gegeben hat. Dazu gehören etwa – von der Öffentlichkeit noch kaum gesehen – körperlicher und seelischer Druck in Partnerbeziehungen im Seniorenalter. Gerade diesen Betroffenen fällt es nicht leicht, Hilfe zu suchen. Zu sehr fühlen sie sich verpflichtet, nach außen hin Harmonie zu zeigen.
Ist „nur“ Psychoterror weniger schlimm als Schläge? Mag sein, aber die Folgen sind so zerstörerisch wie bei körperlicher Gewalt. Und hier wie dort ist es meist eine ganze Verflechtung von Problemen, die mit Patentrezepten („Das würde ich mir einfach nicht gefallen lassen“) nicht zur lösen sind: wirtschaftliche Abhängigkeit vom Partner, gemeinsame Kinder, mangelnde Hilfe aus dem Umfeld, die Frage „Wo soll ich hingehen, wenn ich ihn verlasse, woher bekomme ich Arbeit wie bringe ich die Kinder unter, während ich berufstätig bin?“ und vieles andere mehr.
Stalking, das Belästigen, Verfolgen, Bedrohen der vertrauten Partnerin wie auch gelegentlich unbekannter Frauen, ist ein wachsendes Problem. Telefonanrufe rund um die Uhr mit Kontrolle, Drohungen oder auch sexuelle Anmache, Belagern der Wohnung des Opfers, handgreifliche Übergriffe können Frauen das Leben zur Hölle machen. Hier haben die Notruf-Mitarbeiterinnen die Aufgabe, die Betroffene zu bestärken, sich rechtzeitig über rechtliche und soziale Schutzmöglichkeiten zu informieren, sie bei Behördenkontakten zu unterstützen. Bundesweit sind sich die Notruf-Einrichtungen einig: Hier sollte die Justiz häufiger und konsequenter eingreifen, so dass es für den Täter zu richterlichen Auflagen des Distanzhaltens kommt und seine Übergriffe strafrechtlich verfolgt werden.
Immer noch aktuell sind Vergewaltigungen, sei es durch Fremdtäter, sei es im eignen Umfeld. Hier ist das Notruf-Team besonders gefragt, der erschütterten und traumatisierten Frau zur Seite zu stehen, sie bei allen rechtlichen Auseinandersetzungen zu unterstützen und ihr zu helfen, das Erlebte zu verarbeiten. Schockierend ist für die Notruf-Mitarbeiterinnen die Beobachtung, dass es neue, perfidere Formen des Übergriffes gibt. Immer öfter kommt es auf Festen, in Gaststätten vor, dass eine Frau in einem unbeobachteten Moment so genannte K.O.-Tropfen ins Getränk geschüttet bekommt und dann vergewaltigt wird. Hinterher hat sie keine klare Erinnerung, was passiert ist. Wenn ein potenzielles Opfer eine solche Straftat vermutet, ist die Kontaktaufnahme mit dem Frauen-Notruf auf jeden Fall sinnvoll. Hier kann Erinnerungsarbeit geleistet werden, die Frau an Stellen weiter verwiesen werden, die den Einsatz solcher Tropfen eventuell nachweisen können.
Betroffene jeden Alters und jeder sozialen Schicht suchen Hilfe beim Frauen-Notruf. So muss dessen Beratungsarbeit immer vernetzt sein. Die Haupt- und Ehrenamtlichen, die mit dem Wetterauer Frauenhaus, mit Beratungsstellen wie Wildwasser, mit Ärztinnen, Behörden anderen sozialen Einrichtungen, dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband zusammenarbeiten, haben auch Kontakte zur Polizei. „Unsere Arbeit ist nicht leicht, wir werden mit sehr viel Not konfrontiert“, betonen die Frauen-Notruf-Mitarbeiterinnen
Fazit der Aktiven im Verein Frauen-Notruf Wetterau: „Gewalt ist kein unabwendbares Schicksal. Wir erleben doch häufig, wie Frauen mit Ihren Kindern sich der Gewaltsituation entziehen, eine neue Lebensperspektive aufbauen, zu Selbstbewusstsein und Würde finden – das bestärkt uns, dass unsere Arbeit unverzichtbar ist.“
Telefonaktion
Am kommenden Samstag, 30. August, gibt es von 11 bis
12.30
Uhr in der Kreis-Anzeiger-Redaktion eine Telefonaktion.
Das Beratungstelefon hat die Nummer 06043/502-24
Beteiligung des Frauen-Notrufs
Nidda (pd). Auch der Frauen-Notruf Wetterau ist am morgigen Sonntag, 24. August, bei der Brückenrallye ab 13 Uhr mit einem Informationsstand vertreten. Auf dem Bürgersteig an der Brücke „Neue Straße“ haben die Besucher die Möglichkeit, sich mit einem Foto und einem Statement zu dem Motto der landesweiten Aktion „Den richtigen Standpunkt gegen Gewalt“ zu beteiligen. Die Totos werden im Rahmen einer Ausstellung vom 1. September bis 2. Oktober zu sehen sein.
Häusliche Gewalt: Wie sich Frauen schützen können
Telefonaktion anlässlich 20 Jahre Frauen-Notruf Wetterau
Nidda(KA). Seit 20 Jahren arbeitet der Frauen-Notruf Wetterau als Beratungsstelle für Frauen und Mädchen, die von körperlicher, seelischer und sexualisierter Gewalt betroffen sind. Dieser Jahrestag des Bestehens ist für alle Haupt- und Ehrenamtlichen ein Anlass, noch stärker auf die Probleme der Betroffenen hinzuweisen, deren Schutz einzufordern und die Öffentlichkeit über die Arbeit zu informieren. Daher wird es am kommenden Samstag, 30. August, von 11 bis 12.30 Uhr in der Kreis-Anzeiger-Redaktion eine Telefonaktion geben.
Kompetente Ansprechpartner werden am Hörer bereit sein.
Renate Bernatzki-Schultz, Rechtsanwältin aus Büdingen mit dem Fachschwerpunkt Familienrecht, zugelassen beim Oberlandesgericht Frankfurt, ist Ansprechpartnerin für alle relevanten Aspekte aus dem Familien-, Sorge- und Unterhaltsrecht sowie für das Gewaltschutzgesetz. Kriminalhauptkommissar Günter Volp ist im Wetteraukreis Koordinator für die Bearbeitung von Delikten der häuslichen Gewalt.
Nicht nur selbst von Gewalt Betroffene können diese Chance fachlicher Beratung nutzen. Auch Personen ihres Umfelds – Verwandte, Freunde, Nachbarn – können sich hier Rat holen, wie sie Gewaltopfer begleiten und unterstützen können. Ebenso können sich interessierte Bürger über die Arbeit des Frauen-Notrufs Wetterau informieren. Selbstverständlich behandeln
Viele hilfreiche Informationen aus erster Hand
Rechtsanwältin, Notruf-Mitarbeiterin und Kriminalhauptkommissar standen am Kreis-Anzeiger-Telefon Betroffenen Rede und Antwort
Nidda (em). Drei Fachleute an einem Tisch und die Chance, vertraulich oder auch anonym das Problem vorzutragen – die Telefonaktion des Frauen-Notrufes und des Kreis-Anzeigers war passgenau auf die Zielgruppe zugeschnitten. Hier konnten Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, auf niedrigschwelligste Weise erste Informationen für einen Ausweg bekommen.
Auch für Personen aus dem Umfeld Betroffener gab es Hinweise auf Unterstützungsmöglichkeiten in der Wetterau oder ein generelles Bild von der Arbeit des Frauen-Notrufes. Dabei wurde deutlich, dass in jahrelanger Arbeit Netzwerke entstanden sind, die den gesetzlichen Schutz durch die ebenso wichtigen Faktoren Beratung und psychosoziale Begleitung ergänzen.
Für Erstinformationen zu rechtlichen Fragen saß Renate Bernatzki-Schultz, Rechtsanwältin aus Büdingen, zugelassen beim Oberlandesgericht Frankfurt, als Ansprechpartnerin für alle relevanten Aspekte aus dem Familien-, Sorge- und Unterhaltsrecht sowie aus dem Gewaltschutzgesetz am Telefon. Weitere Informanten waren
Ganz gleich, ob eine Frau ständig von einem gewalttätigen Partner misshandelt wird oder ob es nach schwelenden Konflikten zu einem Ausbruch kommt – wenn endlich die Polizei zu Hilfe gerufen wird, ist die Betroffene erschüttert, unter Schock, oft momentan gar nicht zu einer klaren Planung fähig. „Deeskalation, Distanz zwischen dem gewalttätigen Partner und seinem Opfer, ist der erste Schritt, wenn wir eingreifen“, betont Günter Volp. Die Polizei hat die Möglichkeit, den Aggressor für 14 Tage aus der gemeinsamen Wohnung zu verweisen, eventuell kann dies noch einmal um den selben Zeitraum verlängert werden. Aber das ist gewissermaßen eine Erste-Hilfe-Maßnahme. Wie soll es weitergehen? Gemeinsam haben die Hilfsinstitutionen den so genannten proaktiven Ansatz entwickelt: Wenn die Frau dies ausdrücklich wünscht, benachrichtigt der beteiligte Polizeibeamte das Notruf-Team oder das Frauenhaus, so dass diese von sich aus auf die Frau zukommen.
„Trennungen sind die gefährlichsten Phasen für eine Frau“, betonten die drei Fachleute. Sei es aus verzweifeltem Festhalten-wollen, sei es aus Machtansprüchen („Wenn ich sie nicht haben kann, soll sie auch kein anderer haben!“) kann es zu Gewaltausbrüchen kommen. Aber auch das schleichende so genannte Stalking mit Telefonterror rund um die Uhr, ständigen Verfolgungen und Drohungen bis zum akuten Angriff stellt einen immensen psychischen druck für die Frau dar – ganz gleich ob es der Expartner oder ein Mann aus dem Umfeld ist. Einfach nur aussitzen? Das ist für das Opfer unerträglich und kann den Täter in seinem Machtrausch noch bestärken. Hier wie bei anderen häuslichen Gewaltdelikten rät Renate Bernatzky-Schultz dazu, durch Gedächtnisprotokolle, eventuell ärztliche Atteste, Zeugenaussagen von Nachbarn, Verwandten oder Freunden eine klare Beweislage zu schaffen. Das erleichtert den Gerichten die Einschätzung der Straftat. Auch die Polizei kann mit einer so genannten Gefährder-Ansprache aufsuchend tätig werden, indem sie den Täter auf das Ungesetzliche seines Tuns und die strafrechtlichen Folgen hinweist. Renate Bernatzki-Schultz skizzierte daneben die Möglichkeiten des Gewaltschutzgesetzes und des Bürgerlichen Gesetzbuches hin: der Täter kann vom Gericht für dauernd aus der gemeinsamen Wohnung verwiesen werden, das weitere Wohnrecht wird dann der Frau und ihren Kindern zugesprochen. Auch zivilrechtliche Schritte, etwa das Einklagen von Schmerzensgeld, sind denkbar.
Gewaltopfer können auf vielfache Art und Weise verletzt sein. Das reicht von Trauer über die gescheiterte Beziehung, von der Verarbeitung des Schocks über mögliche psychosomatische Probleme bis zur Frage: „Wie ist mein Lebensunterhalt gesichert? Wie kann ich mit den Kindern eine neue Lebensperspektive finden?“ Ansprechpartnerinnen für die Aufarbeitung von Schock und Trauer bis hin zur Klärung lebenspraktischer Fragen sind die Notruf-Mitarbeiterinnen.
Hintergrund:
Im September 2004 gab das Bundesfamilienministerium die erste repräsentative Studie zur Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland heraus. Diese bestätigt die schon weit länger von der Frauenbewegung vermuteten Sachverhalte: Jede zweite oder dritte Frau erlebt körperliche und /oder sexualisierte Gewalt in ihrem Erwachsenenleben durch eine bekannte oder unbekannte Person, jede vierte Frau durch ihren aktuellen oder früheren Lebenspartner. Ebenso viele geben an, psychische Gewalt erlebt zu haben. Nur in Randgruppen? Gewalt gegen Frauen gibt es in allen Schichten. Einmaliger Ausrutscher? Leider zeigt die Studie, dass Gewalt in Paarbeziehungen mit zunehmender Dauer meist an Intensität und Häufigkeit zunimmt. Das kann auch früh betroffene Kinder als Opfer gelten. Alle Formen von Gewalt führen in einem hohen Maß zu psychischen Folgebeschwerden wie Schlafstörungen, erhöhter Angstbereitschaft, Depressionen, Suizidgedanken, Selbstverletzung oder Essstörungen. Kinder können Verhaltensstörungen von der Angstsymtomatik bis zu fixiertem aggressivem Verhalten entwickeln. Viele Straftaten aus diesem Bereich beleiben im Dunkeln, weil die Opfer aus Angst oder Scham eine Anzeige scheuen.
Ganz klar betont die Studie des Ministeriums abschließend, dass ein breites Angebot niedrigschwelliger Hilfen nötig ist und den Frauen den Aufbau einer neuen gewaltfreien Lebenssituation immens erleichtert. Dieser Aufgabe fühlt sich der Frauen-Notruf mit seinen Haupt- und Ehrenamtlichen seit zwei Jahrzehnten verpflichtet. So wurden allein im vergangenen Jahr 184 Frauen beraten und viele über ein Informationsgespräch hinaus lange Monate psychosozial begleitet. (em)
Wetteraukreis (ema). 20 Jahre engagierter Arbeit, ein gutes Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamtlichen, wachsende Anerkennung durch die Öffentlichkeit – beginnt der Frauen-Notruf Wetterau in seinem Jubiläumsjahr womöglich „überflüssig“ zu werden? Ist Gewalt gegen Frauen und Kinder im Abnehmen begriffen? Leider nein. Nach wie vor ist das „Recht des Stärkeren“ in Familien ein Thema und das nicht nur bei Randgruppen. Nach wie vor suchen geschlagene, verängstigte Frauen in der Niddaer Einrichtung, in ihren Außenstellen Büdingen und Karben Rat kommen aber auch, wenn sie in ihrer Not den Wendepunkt gefunden haben: „So kann es nicht mehr weitergehen. Egal, wie schwer der Neubeginn wird: Ich muss den Schlussstrich ziehen.“
Gewalt kann viele Gesichter haben. So werden Terrorformen heute mehr wahrgenommen, die es wohl schon immer gegeben hat. Dazu gehört auch, von der Öffentlichkeit noch kaum gesehen, körperlicher und seelischer Druck in Partnerbeziehungen im Seniorenalter. Gerade diesen Betroffenen fällt es nicht leicht, Hilfe zu suchen. Zu sehr fühlen sie sich verpflichtet, nach außen hin Harmonie zu zeigen.
Ist „nur“ Psychoterror weniger schlimm als Schläge? Mag sein, aber die Folgen sind so zerstörerisch wie bei körperlicher Gewalt. Und hier wie dort ist es meist eine ganze Verflechtung von Problemen, die mit Patentrezepten („Das würde ich mir nicht gefallen lassen“) nicht zur lösen sind: wirtschaftliche Abhängigkeit vom Partner, gemeinsame Kinder, mangelnde Hilfe aus dem Umfeld, die Frage „Wo soll ich hingehen, wenn ich ihn verlasse. Woher bekomme ich Arbeit? Wie bringe ich die Kinder unter, während ich berufstätig bin?“ und vieles andere mehr.
Stalking, das Belästigen, Verfolgen, Bedrohen der vertrauten Partnerin wie auch gelegentlich unbekannter Frauen, ist ein wachsendes Problem. Telefonanrufe rund um die Uhr mit Kontrolle, Drohungen oder auch sexuelle Anmache, Belagern der Wohnung des Opfers, handgreifliche Übergriffe können Frauen das Leben zur Hölle machen. Hier haben die Notruf-Mitarbeiterinnen die Aufgabe, die Betroffene zu bestärken, sie über rechtliche und soziale Schutzmöglichkeiten zu informieren, sie bei Behördenkontakten zu unterstützen. Bundesweit sind sich die Notruf-Einrichtungen einig: Hier sollte die Justiz häufiger und konsequenter eingreifen, so dass es für den Täter zu richterlichen Auflagen kommt und seine Übergriffe strafrechtlich verfolgt werden.
Öffentlichkeit wird sensibler
Leider immer noch aktuell sind Vergewaltigungen, sei es durch Fremdtäter, sei es im eignen Umfeld. Hier ist das Notruf-Team besonders gefragt, der erschütterten und traumatisierten Frau zur Seite zu stehen, sie bei allen rechtlichen Auseinandersetzungen zu unterstützen und ihr zu helfen, das Erlebte zu verarbeiten. Schockierend ist für die Notruf-Mitarbeiterinnen die Beobachtung, dass es neue, perfidere Formen des Übergriffes gibt. Immer öfter kommt es auf Festen und in Gaststätten vor, dass eine Frau in einem unbeobachteten Moment K.o.-Tropfen ins Getränk geschüttet bekommt und in Widerstandsunfähigkeit vergewaltigt wird. Hinterher hat sie keine klare Erinnerung, was passiert ist. Wenn ein potenzielles Opfer eine solche Straftat vermutet, ist die Kontaktaufnahme mit dem Frauen-Notruf auf jeden Fall sinnvoll. Hier kann Erinnerungsarbeit geleistet werden, die Frau an Stellen weiter verwiesen werden, die den Einsatz solcher Tropfen eventuell nachweisen können.
Betroffene jeden Alters und jeder sozialen Schicht suchen Hilfe beim Frauen-Notruf. So muss dessen Beratungsarbeit immer vernetzt sein. Die Haupt- und Ehrenamtlichen arbeiten mit dem Wetterauer Frauenhaus, mit Beratungsstellen wie Wildwasser, mit Ärztinnen, Behörden anderen sozialen Einrichtungen sowie dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband zusammen und haben auch Kontakte zur Polizei. „Unsere Arbeit ist nicht leicht, wir werden mit sehr viel Not konfrontiert“, betonen die Frauen-Notruf-Mitarbeiterinnen
Fortschritte sehen die Notruf-Aktiven in der wachsenden Sensibilität der Öffentlichkeit. Auch der Druck von Familien und Freunden, Gewalt zu ertragen, um nach außen hin eine heile Welt zu zeigen („Was sagen denn die Leute, wenn Du Deinen Mann verlässt?“), ist im Abnehmen begriffen. Begrüßt wird vom Notruf-Team das 2002 in Kraft getretene Gewaltschutzgesetz, das es der Polizei ermöglicht, gewalttätige Männer aus der gemeinsamen Wohnung zu verweisen und Annährungsverbote auszusprechen. Per Gerichtsentscheid gelingt es manchmal, Frauen und Kindern durch Zuweisung die bisherige Wohnung und damit das Lebensumfeld zu erhalten.
Fazit der Aktiven im Verein Frauen-Notruf Wetterau: „Gewalt ist kein unabwendbares Schicksal. Wir erleben häufig, wie Frauen mit Ihren Kindern sich der Gewaltsituation entziehen, eine neue Lebensperspektive aufbauen, zu Selbstbewusstsein und Würde finden. Das bestärkt uns und zeigt, dass unsere Arbeit unverzichtbar ist.“
„Einzigartig und unverzichtbar“
Festakt zum 20-jährigen Bestehen des Frauen-Notrufs
BAD SALZHAUSEN (em). Salzhausens Parksaal bot den festlichen Rahmen für den Festakt zum 20-jährigen Bestehen des Frauen-Notrufs Wetterau. Über 100 Gäste konnte Vorstandsmitglied
Sie erinnerte an die Anfänge des Notrufs als Frauenberatungsstelle gegen Gewalt, an den Ausbau als Teil eines Netzwerkes gegen patriarchale Ungerechtigkeit. Gleichzeitig warf sie ein Schlaglicht frauenfreundlicher Entwicklungen: Gewerkschaftskampagnen unter dem Motto „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, gesetzliche Verbesserungen, die durch den Einsatz von Juristinnen und Politikerinnen zustande kamen, den Wandel des Frauenbildes in der Gesellschaft bis hin zu den Schulbüchern. Die BRD als beste aller Frauen-Welten? Realistisch erinnerte Stein an Ergebnisse aus einer Studie des Bundesfamilienministeriums: 42 Prozent aller Frauen berichten, schon einmal psychischer Gewalt ausgesetzt gewesen zu sein, 40 Prozent aller über 16-jährigen haben schon einmal körperliche Gewalt erfahren. Insgesamt liegt das Einkommen von Frauen um 25 Prozent unter dem der Männer. Im Niedriglohnsektor gibt es weitaus mehr Arbeitnehmerinnen als Arbeitnehmer, allein erziehende Mütter sind benachteiligt, ebenso Migrantinnen. Da war es nicht verwunderlich, dass Stein ein ebenso kurzes wie überzeugendes Fazit zog: „Der Notruf hat viele Frauen auf dem Weg aus der Gewalt heraus begleiten können. Feiern? – Weitermachen!“
Die Grüße Landrat Joachim Arnolds und der Kreisgremien überbrachte die Kreisbeigeordnete Edda Weber: „Ich bin sehr froh, dass der Wetteraukreis und insbesondere der ehemalige Landrat Rolf Gnadl sich in besonderem Maß für die Frauenprojekte im Kreis eingesetzt hat.“ Dabei nannte sie auch die Stadt Nidda, die der Institution kostenlos Räume zur Verfügung stellte, lobte das produktive Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen und schloss sich mit Dankesworten an alle Frauen, die sich früher oder aktuell in der Notruf-Arbeit engagierten. Die Grüße der Wetterauer Frauenbeauftragten
„Ich habe dazu gelernt.“ Bürgermeisterin Lucia Puttrich erinnerte an die Anfangszeit der Einrichtung in Borsdorf, als sie wie viele andere der Bewegung eher skeptisch gegenüber stand. Zwischenzeitlich ist eine fast freundschaftliche Beziehung entstanden. Die Bürgermeisterin wünschte „Mut, Tatkraft sowie Hartnäckigkeit“ und hatte als Geschenk die Zusage mitgebracht, dass die Räume auch weiterhin kostenlos genutzt werden können. Von „20 Jahren Lobbyismus für Frauen und Kinder in Not“ sprach Brigitta Nell-Düvel, Kreistagsmitglied der Grünen. Die Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl überbrachte auch die Grüße der SPD-Kreistagsfraktion und der Vorsitzenden Cäcilia Reichert-Dietzel. Sie sprach die Notwendigkeit an, auch die junge Frauengeneration in frauenparteiliche Arbeit wie die des Notrufes einzubeziehen. Es gab Blumen und Spenden für den Notruf. Die wahrscheinlich originellste Unterstützung übergab Dr. Ralf Streum für die Wetterauer Kreisvereinigung des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Er hatte die Geldspende zum Papierflieger gefaltet – als Zeichen gegen „Finanzierungssorgen“ und für Planungssicherheit. ^
Kreisanzeiger 14.10.2008
>>Auf dem Weg aus der Gewalt heraus begleitet<<
Frauen-Notruf Wetterau feiert 20-jähriges Bestehen - >>Nicht auf Opferrollen reduzieren, sondern stärken<<
Mehr als 100 Gäste aus der Politik, aus Fraueninstitutionen und dem öffentlichen Leben feiern das 20-jährige Bestehen des Frauen-Notrufs Wetterau. Viele haben Geschenke mitgebracht, so auch Bürgermeisterin Lucia Puttrich, sie sich bei Notruf-Mitarbeiterin Ulla Seipel bedankte.
Nidda-Bad Salzhausen (ema). Salzhausens Parksaal bot einen festlichen Rahmen für die Feier zum 20-jährigen Bestehen des Frauen-Notrufs Wetterau. Mehr als 100 Gäste aus der Landes- und Kommunalpolitik, aus Fraueninstitutionen und dem öffentlichen Leben konnte Vorstandsmitglied Cornelia Stein begrüßen. Sie erinnerte an die Anfänge als Frauenberatungsstelle gegen Gewalt, an den Ausbau als Teil eines Netzwerkes gegen patriarchale Ungerechtigkeit. Gleichzeitig zitierte Stein aus einer Studie des Bundesfamilienministeriums: 42 Prozent aller Frauen berichten schon einmal psychischer Gewalt ausgesetzt gewesen zu sein, 40 Prozent aller über 16-Jährigen haben schon einmal körperliche Gewalt erfahren. Insgesamt liegt das Einkommen von Frauen um 25 Prozent unter dem der Männer. Im Niedriglohnsektor gibt es weitaus mehr Arbeitnehmerinnen als Arbeitnehmer, allein erziehende Mütter sind benachteiligt, ebenso Migrantinnen. Da war es nicht verwunderlich, dass Stein ein ebenso kurzes wie überzeugendes Fazit zog: „ Der Notruf hat viele Frauen auf dem Weg aus der Gewalt heraus begleiten können. Feiern? – Weitermachen!“
Die Grüße des Landrats und der Kreisgremien überbrachte Edda Weber, Mitglied des Kreisausschusses: „Ich bin sehr froh, dass der Wetteraukreis und insbesondere der ehemalige Landrat Rolf Gnadl sich in besonderem Maß für die Frauenprojekte im Kreis eingesetzt hat.“ Dabei nannte sie auch die Stadt Nidda, die der Institution kostenlos Räume zur Verfügung stellt und lobte das produktive Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen. Die Grüße der Wetterauer Frauenbeauftragten und des Fachdienstes für Chancengleichheit überbrachte Hanne Battenhausen: „Hier im Notruf werden Frauen nicht auf die Opferrolle reduziert, sondern gestärkt.“ Gleichzeitig wies sie auf die konstruktive Vernetzung mit anderen Gremien und Einrichtungen hin, zu der Notruf-Mitarbeiterin Christa Mansky engagiert beiträgt.
„Ich habe dazu gelernt“ – sehr authentisch erinnerte Bürgermeisterin Lucia Puttrich an die Anfangszeit der Einrichtung in Borsdorf, als sie selbst wie viele andere der Bewegung eher skeptisch gegenüber stand: „So was brauchen wir hier auf dem Land doch nicht.“ Inzwischen hat sie sich als zuverlässige Unterstützungspartnerin erwiesen, eine fast freundschaftliche Beziehung ist entstanden. „Wenn ich an den Notruf denke, denke ich an Ulla Seipel“, wandte sich Puttrich an die „Notruf-Veteranin“, die von Anfang an dabei war. Die Zusage der Bürgermeisterin, dass die Räume auch weiterhin kostenlos genutzt werden können, war vielleicht eines der schönsten Jubiläumsgeschenke.
Von <<20 Jahren Lobbyismus für Frauen und Kinder in Not>> sprach Brigitta Nell-Düvel, Kreistagsmitglied der Grünen. Die Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl überbrachte zugleich die Grüße der SPD-Kreistagsfraktion. Sie sprach die Notwendigkeit an, auch die junge Frauengeneration in frauenparteilicher Arbeit wie die des Notrufs einzubeziehen. Noch einmal trug Hanne Battenhausen vor und verlas das Grußwort von Angela Wagner von der Koordinierungsstelle für hessische Frauennotrufe wie auch vom Bundesverband. Von <<Frauen in Vernetzung>>, dem gemeinsamen Arbeitsforum von Notruf, Frauenzentrum, Wildwasser, Frauen-Arbeit-Bildung und Frauen helfen Frauen, überbrachte Gunhild Brüning die guten Wünsche.
Es hatte Blumen und Spenden für den Notruf gegeben. Die originellste Unterstützung übergab Dr. Ralf Streum für die Wetterauer Kreisvereinigung des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Er hatte die Geldspende zum Papierflieger gefaltet – als Zeichen gegen Finanzierungssorgen und Planungssicherheit.
Bei ausgedehnten Gesprächen und gastlicher Bewirtung ging man zum zweiten Teil des Festes über: Unter dem Motto <<Großmütter, Mütter, Enkelinnen – Frauenbewegung im Zeitraffer>> unternahmen die Notruf-Frauen mit Witz und Nachdenklichkeit eine Reise durch 100 Jahre Frauenbewegungsgeschichte. Renate Fleischer-Neumann und Patrizia Rausch hatten die Szenenfolge konzipiert, Hermann Wilhelmi am Flügel, ein einfühlsamer Begleiter, stelle in kurzen Kommentaren Verbindung zwischen Musik und Spiel her.
Frankfurter Rundschau
Der Frauennotruf wird immer noch gebraucht
Wetterau - Gewalt in Beziehungen hat viele Facetten/Hilfseinrichtung feiert ihr 20-jähriges Bestehen
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Der Frauennotruf hat sich nach anfänglicher Skepsis („Bei uns auf dem Land braucht man so was nicht“) Vertrauen und öffentliche Anerkennung erworben, Haupt- und Ehrenamtliche arbeiten gut zusammen und können durch Vernetzung mit anderen Frauenprojekten effektiver helfen. Aber insgeheim hatten die Gründerinnen 1988 gehofft, dass ihr Engagement bald überflüssig würde, weil Gewalt gegen Frauen und Kinder zum gesellschaftlichen Tabu geworden sei. Ein schöner Traum! Nun ist der Frauennotruf 20 Jahre alt und nötig wie eh und je. Zwar hat die Öffentlichkeitsarbeit Früchte getragen, bei Aktionen wie den Fotoaufnahmen zu „Standpunkte gegen Gewalt“ stellen sich immer mehr Bürgerinnen und Bürger auf die Seite der Betroffenen: „Nicht das Opfer sollte sich schämen, sondern der Täter“: Aber Gewalt in den Beziehungen zwischen Männern und Frauen gibt es immer noch häufig und sie findet immer neue Ausdrucksformen.
Stalking vom Telefonterror bis zu Körperverletzung, Mord, die Betäubung von Frauen mit so genannten K.o. Tropfen und anschließende Vergewaltigung, Gewalt auch in Senioren-Partnerschaften, zählt Angela Wagner von der Koordinierungsstelle für hessische Notrufe auf. Auch die Statistik des Notrufs zeigt, dass die Einrichtung nicht überflüssig ist: Allein 2007 wurden 184 Frauen beraten – in den meisten Fällen waren auch noch Kindern mitbetroffen -, teils in Einzelgesprächen, teils in einer Langzeitbegleitung mit großem Unterstützungsspektrum: telefonische Beratung, persönliche Gespräche, Krisenintervention, Begleitung bei Anzeigenerstattung, Behördengängen und Gerichtsverfahren, Unterstützung bei der Umsetzung des Gewaltschutzgesetzes. Hanne Battenhausen vom Fachdienst Frauen und Chancengleichheit des Wetteraukreises lobt: „Hier werden Frauen nicht auf die Opferrolle reduziert, sondern gestärkt.“ Zu der Arbeitsbelastung kommen noch die Finanzsorgen des Notrufs. Oft werden Mittel nur zeitgebunden vergeben. Obwohl Frauen aus dem gesamten Wetteraukreis hier Hilfe suchen, beteiligen sich nicht alle Wetterau-Kommunen an der Finanzierung. Vorbildlich ist die Stadt Nidda, die der Einrichtung seit Jahren kostenlos eine geeignete Wohnung zur Verfügung stellt. Vorstandsmitglied