Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe unterstützt Europäischen Protesttag für die Gleichstellung behinderter Menschen
Am 5. Mai jeden Jahres machen viele Menschen mit Behinderung gemeinsam mit Mitstreiterinnen und Mitstreitern auf die immer noch diskriminierenden Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen und Männern mit Behinderung aufmerksam. Dieser Tag wurde 1991 zum europaweiten Protesttag für die Gleichstellung behinderter Menschen erklärt. Der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe unterstützt ausdrücklich die Proteste an diesem Tag.
Die Fachstellen gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen beschäftigen sich seit vielen Jahren mit Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit Behinderung und weisen am Protesttag darauf hin, dass viele behinderte Frauen und Mädchen tagtäglich Gewalt – z.B. in Form von sexuellen Übergriffen und Misshandlungen – ausgesetzt sind.
„Kaum jemand denkt an Frauen und Mädchen mit Behinderungen, wenn über Gewalt gegen Frauen und Mädchen gesprochen wird – doch Untersuchungen zeichnen ein anderes Bild“ stellt Katja Grieger, eine der Koordinatorinnen des bff fest. Aus ihrer Unterstützungsarbeit wissen die Fachfrauen zum Thema Gewalt, dass behinderte Menschen oft geschlechtslos wahrgenommen werden. „Deshalb werden sie oft weder als Betroffene noch als Täter von Gewalt in den Blick genommen.“
Dabei sind Frauen mit Behinderung vor allem sexualisierten Übergriffen noch stärker ausgesetzt als nichtbehinderte Frauen. Die strukturellen Rahmenbedingungen zwingen behinderte Frauen oft in familiäre oder institutionelle Abhängigkeit. Damit verbunden ist häufig eine fehlende Intimsphäre, eine fremdbestimmte Sexualität, ungewollte Körperkontakte, und eine anonyme Pflegesituationen. Auch gibt es in Deutschland noch immer kein Recht auf eine gleichgeschlechtliche Assistenz. Dazu kommt, dass viele Frauen mit Behinderung erhöhten Kommunikationsbarrieren ausgesetzt sind. Gerade der Umstand, dass behinderten Frauen und Mädchen Sexualität abgesprochen wird, lässt das Umfeld oft an Berichten über erlebte sexualisierte Gewalt zweifeln und sie unglaubwürdig erscheinen.
Um so wichtiger ist es nach Ansicht des bff, dass sich die Fachstellen zu (sexualisierter) Gewalt sowie Zufluchtstätten für Frauen und Mädchen dem Thema noch weiter öffnen – und dies in vielerlei Hinsicht. „Der Begriff ,Barrierefreiheit´ ist für uns sehr umfangreich und umfasst auch die ,inneren Barrieren´“, so Anette Diehl vom Frauennotruf Mainz. „Um unsere eigenen Meinungen und Haltungen zum Thema Behinderung zu reflektieren, haben wir uns mit diesem Thema schon vor Jahren inhaltlich auseinandergesetzt.“ Dieses Engagement steht stellvertretend für viele Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe.
Eine kürzlich durchgeführte Umfrage des bff unter seinen Mitgliedseinrichtungen zeigt, dass obwohl Frauen mit Behinderungen in den Einrichtungen flächendeckend unterrepräsentiert sind – nur 26% der Einrichtungen sind für Frauen im Rollstuhl uneingeschränkt zugänglich – die Einrichtungen sich der mannigfaltigen Defizite bewusst sind und dass vielerorts aktuell Verbesserungen vorgenommen werden. Dazu Katja Grieger: „Wir wissen, dass noch viel zu tun ist. Doch der bff und die Mitgliedseinrichtungen arbeiten daran, die Situation zu verbessern. Die Aktionen reichen von der Einrichtung barrierefreier Websites über das Erlernen der Gebärdensprache von den Mitarbeiterinnen, bis hin zu regelmäßigen Mädchengruppen in Förderschulen, Selbstbehauptungskursen für Frauen mit Behinderungen und Fortbildungen in Behinderteneinrichtungen zum Thema (sexualisierte) Gewalt.“
Der bff ermutigt alle Frauen mit Behinderungen, die von Gewalt betroffen sind, sich an die Fachstellen vor Ort zu wenden. Denn dort wird trotz aller bestehenden Barrieren in den Einrichtungen für jede einzelne Klientin das Möglichste getan. Gleichzeitig fordert der Verband alle relevanten Akteure, allen voran die Bundesregierung, dazu auf, die UN Behindertenrechtskonvention – seit diesem Jahr geltendes Recht in Deutschland – umzusetzen. Erst dann haben auch alle Frauen mit Behinderung volle Menschenrechte.
Die Umfrage des Bundesverbandes Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe ‚Frauen mit Behinderung in Frauenberatungseinrichtungen – Bestandsaufnahme und Handlungsbedarf’ ist auf der Website des Verbandes unter www.frauen-gegen-gewalt.de zu finden.
Verantwortlich: Katja Grieger // Kontakt: bff, Rungestraße 22-24, 10179 Berlin 030-32299500; info@bv-bff.de; www.frauen-gegen-gewalt.de